Der südafrikanische Präsident gerät weiter unter Druck. Statt zu feiern, haben Zehntausende Südafrikaner am heutigen 75. Geburtstag von Jacob Zuma gegen ihn protestiert. Zur zentralen Kundgebung in Pretoria kamen nach Angaben der Polizei rund 30.000 Teilnehmer. Die Veranstalter sprachen von noch mehr Demonstranten. Schon am Freitag hatte es landesweite Proteste gegen Zuma gegeben, der im März mit der Entlassung des angesehenen Finanzministers Pravin Gordhan sogar Unmut in seiner Regierungspartei ANC ausgelöst hatte.

Gordhan feiert ebenfalls am heutigen Mittwoch seinen Geburtstag. Der 68-Jährige wird wegen seines entschiedenen Kampfes gegen Korruption respektiert. Seine Entlassung hatte zur Abwertung Südafrikas durch die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's geführt. Sorgen über eine Schwächung der Währung und Preissteigerungen nahmen in dem von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Land daraufhin zu.

Die Proteste gegen Zuma brachten Parteien mit sehr unterschiedlichen Ideologien zusammen: die größte Oppositionspartei Demokratische Allianz, die viele Mitglieder in der weißen Minderheit hat, und die Economic Freedom Fighters des früheren ANC-Mitglieds Julius Malema. "Alle politischen Parteien müssen zusammenkommen und eine Botschaft senden", sagte Malema. "Zuma muss das Amt verlassen, und je früher er das macht, umso besser. Das Land muss sich wirtschaftlich erholen." Das Verfassungsgericht hatte Zuma 2016 verurteilt. Er musste staatliche Millionenzuschüsse für den Ausbau seines Privathauses zurückzahlen.

In einem ungewöhnlichen Schritt legten auch Südafrikas katholische Bischöfe Staatspräsident Zuma nahe, einen Rücktritt in Betracht zu ziehen. "Zum Wohl der Nation sollte er seine Position überdenken und nicht davor zurückschrecken, mit Courage und Bescheidenheit zu handeln", so der Episkopatsvorsitzende, Erzbischof Stephen Brislin. Im Namen seiner 29 Amtsbrüder äußerte er sich besorgt über die Regierungsumbildung und die dadurch ausgelöste Wut von Unternehmen, Gewerkschaften, Oppositionsparteien, Kirchen und ehemaligen Freiheitskämpfern.

Misstrauensvotum geplant

Auch wichtige Verbündete Zumas wie die Südafrikanische Kommunistische Partei und der größte Gewerkschaftsverband haben sich den Rücktrittsforderungen angeschlossen. Im ANC rumort es ebenfalls, aber der alte Antiapartheidkämpfer kann sich noch immer auf wichtige Gruppen in der Partei stützen.

Zuma saß vor seiner politischen Karriere zehn Jahre mit Nationalheld Nelson Mandela im Gefängnis auf Robben Island. In einem Glückwunschschreiben des ANC an Zuma hieß es, der Präsident stehe an der Spitze der Regierungsanstrengungen. Ein Misstrauensvotum gegen ihn, das für den 18. April im Parlament geplant ist, werde die Partei abwehren.