Bei der Untersuchung von Opfern des Giftgasangriffs in Syrien ist nach Angaben des türkischen Gesundheitsministers Recep Akdağ der Einsatz des Giftgases Sarin eindeutig nachgewiesen worden. In den Blut- und Urinproben der Opfer sei ein Stoffwechselprodukt von Saringas festgestellt worden, sagte Akdağ nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im osttürkischen Erzurum.

Nach dem Giftgasangriff vom 4. April in der Provinz Idlib, bei dem mehr als 80 Menschen getötet wurden, waren rund 30 Verletzte in die Türkei gebracht worden, von denen drei ihren Verletzungen erlagen. Ihre Leichen wurden obduziert, auch Fachleute der Weltgesundheitsorganisation und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen waren bei den Autopsien zugegen.

Unterdessen ist US-Außenminister Rex Tillerson in Moskau eingetroffen, wo er am Mittwochvormittag zunächst mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow sprechen will. Ob er auch Putin treffen wird, ist nach wie vor unklar. Das russische Außenministerium erklärte, es hoffe auf "produktive Gespräche". Die Ergebnisse der Diskussionen seien wichtig für die ganze Welt.

Die Gespräche finden in einer angespannten diplomatischen Situation statt, der Ton beider Regierungen hat sich seit dem Angriff in Idlib und dem Vergeltungsschlag der US-Amerikaner deutlich verschärft. Die USA werfen Russland vor, vorab von dem Einsatz von Chemiewaffen gewusst zu haben. Außerdem soll der Kreml aktiv an der Verschleierung der Hintergründe der Giftgasattacke arbeiten, zitiert die New York Times die US-Regierung.

Putin: "Wir haben all das schon mal gesehen"

Der Kreml bestreitet nach wie vor, dass die Assad-Regierung hinter dem Angriff in Idlib stecken könnte. Putin konterte entsprechende Anschuldigungen des Westens, indem er sie mit der Rechtfertigung der USA für die Irak-Invasion im Jahr 2003 verglich. "Es erinnert mich an die Ereignisse 2003, als US-Gesandte im Sicherheitsrat demonstrierten, was laut ihren Angaben Chemiewaffen waren, die im Irak gefunden wurden", sagte Putin in Moskau. "Wir haben all das schon mal gesehen." Die US-Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush hatte 2003 erklärt, die irakische Staatsführung besitze Massenvernichtungswaffen. Diese Vorwürfe konnten nie bewiesen werden.

Putin kündigte an, dass Russland bei den Vereinten Nationen um offizielle Ermittlungen zu dem Giftgasangriff in Syrien bitten werde. Russlands Generalstabschef Sergej Rudskoi sagte, die syrische Regierung sei bereit, internationale Experten einen Militärstützpunkt nach Hinweisen auf Chemiewaffen untersuchen zu lassen. Dabei handelt es sich um die Luftwaffenbasis Al-Schairat, die die USA vergangenen Freitag angegriffen hatten.

Tillerson: Russland muss sich entscheiden

Bei einem Treffen der G7-Außenminister im italienischen Lucca hatte Tillerson Russland aufgefordert, sich im Syrienkonflikt klar zu bekennen. Moskau müsse sich entscheiden, ob es sich mit den USA und deren Partnerstaaten abstimmen oder mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, dem Iran und der Hisbollah-Miliz verbündet sein wolle. Für Assad gebe es nach Ansicht der USA keine künftige Rolle in Syrien. "Es ist uns allen klar, dass die Regentschaft der Assad-Familie zu einem Ende kommt", sagte Tillerson.

Diese Position wird auch von den anderen Außenministern der G7-Staaten unterstützt, gemeinsam haben sie sich erneut für eine Ablösung von Syriens Präsident Baschar al-Assad ausgesprochen. Eine politische Lösung mit einem Verbleib Assads an der Macht werde es nicht geben, sagte der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault am Rande des Treffens in Lucca. Die G7-Staaten konnten sich jedoch nicht auf neue Sanktionen gegen Russland wegen dessen Unterstützung für Assad einigen. Es gebe über neue Strafmaßnahmen gegen Moskau "keinen Konsens", sagte Italiens Außenminister Angelino Alfano. Russland dürfe nicht "in die Ecke gedrängt werden", entsprechend seien Sanktionen kein geeignetes Mittel, um Präsident Wladimir Putin zum Einlenken zu bewegen.