Das russische Außenministerium hat den Vorfall in der syrischen Stadt Chan Scheichun in der Provinz Idlib am Dienstag bestätigt. Es handele sich dabei aus russischer Sicht jedoch nicht um einen gezielten Angriff, teilte ein Sprecher des Ministeriums, Igor Konaschenkow, mit. Die USA, Frankreich und Großbritannien, alle Mitglieder im UN-Sicherheitsrat, hatten zuvor das syrische Regime für den Giftgasangriff verantwortlich gemacht.

Laut Russland ist das Gas bei einem Luftangriff der syrischen Luftwaffe auf ein Giftgaslager der Rebellen ausgetreten. Die in der entsprechenden Fabrik hergestellten Chemiewaffen seien im Irak eingesetzt worden, so Konaschenkow. Rebellen hätten den gleichen Typ chemischer Waffen bereits vorher in Aleppo genutzt, sagte er. Das syrische Regime hatte zuvor bereits alle Vorwürfe eines Giftgasangriffes zurückgewiesen.

Bei dem Angriff wurden den Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge mindestens 72 Menschen getötet. Das von Rebellen kontrollierte Chan Scheichun sei aus der Luft von Jets der russischen und syrischen Regierung attackiert worden, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Die USA, Frankreich und Großbritannien schlugen den Vereinten Nationen eine Resolution zu dem Vorfall vor. Diplomaten zufolge könnte darüber noch am Mittwoch abgestimmt werden. In der Resolution wird die syrische Regierung für den Einsatz chemischer Stoffe bei dem Luftangriff verantwortlich gemacht. Syrien solle Flugpläne und Logbücher vorlegen und die Namen der Helikopterkommandeure nennen, heißt es weiter. Zudem soll Ermittlern Zugang zu Luftwaffenstützpunkten gewährt werden, von denen aus die Angriffe gestartet worden sein könnten.

Die internationale Gemeinschaft sei "empört darüber, dass wiederholt Menschen in Syrien durch Chemiewaffen getötet und verletzt würden", heißt es in dem Entwurf. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Offen blieb, wie sich Russland als Verbündeter Assads und China zu dem Resolutionsentwurf verhalten wird.

Die USA hat das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad für den Angriff verantwortlich gemacht. US-Präsident Donald Trump machte zudem seinem Vorgänger Barack Obama Vorwürfe. Seine Politik der "Schwäche und Unentschlossenheit" sei auch eine Ursache für den Giftgasangriff. Obama habe es nach einem Giftgasangriff durch das syrische Regime 2013 verpasst, militärisch einzugreifen, obwohl er den Einsatz chemischer Waffen zuvor als "rote Linie" bezeichnet habe. Nun habe das "Assad-Regime" wieder ein "abscheuliches Verbrechen" begangen, sagte Trump.  

Die USA warfen zudem dem Iran und Russland vor, Assad nicht von diesem Vorgehen abgehalten zu haben. US-Außenminister Rex Tillerson rief die beiden Staaten auf, ihren Einfluss auf Assad geltend zu machen, um künftige Giftgasangriffe zu verhindern. "Als selbst ernannte Garantiemächte der in Astana ausgehandelten Waffenruhe tragen Russland und Iran auch eine große moralische Verantwortung für diese Toten", sagte er. In den Erklärungen Trumps und Tillersons war nicht von einem mutmaßlichen, sondern von einem sozusagen erwiesenen Giftgasangriff die Rede.