Die USA haben sich nach ihrem Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis offen dafür gezeigt, erneut in dem Bürgerkriegsland einzugreifen. "Wir sind bereit, mehr zu tun", sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen (UN), Nikki Haley, am Freitag im UN-Sicherheitsrat. "Wir hoffen aber, dass das nicht notwendig sein wird." 

Die USA sähen dem Einsatz von Chemiewaffen nicht tatenlos zu. Die Verbreitung solcher Kampfmittel zu verhindern, sei im nationalen Sicherheitsinteresse der USA, so Haley. Den jüngsten US-Angriff in Syrien bezeichnete die Gesandte als einen maßvollen Schritt, der "vollkommen gerechtfertigt" gewesen sei. Der Angriff auf den Stützpunkt bei Homs war die erste US-Attacke gegen die Streitkräfte des syrischen Machthabers Assad in dem seit sechs Jahren andauernden Bürgerkrieg.

Haley griff Russland im Sicherheitsrat scharf an. Die russische Regierung trage eine erhebliche Verantwortung. "Die Welt wartete darauf, dass Russland in Syrien verantwortungsbewusst handelt." Das US-Verteidigungsministerium untersuche, ob Russland an der Vorbereitung oder Durchführung des mutmaßlichen Giftgasangriffes in Syrien beteiligt war. Das sagte ein hochrangiger Pentagon-Mitarbeiter am Freitag. "Wir haben derzeit keine Kenntnisse über eine russische Beteiligung, aber wir untersuchen das", hieß es.

Russland spricht von "Akt der Aggression"

Man könne Moskau als Verbündeten Syriens aber vorwerfen, den Angriff nicht verhindert zu haben. Russland verfüge über Fachwissen im Umgang mit Chemiewaffen. Das Pentagon sei nahezu sicher, dass der Giftgasangriff, bei dem 80 Menschen getötet wurden, von dem Stützpunkt geflogen worden sei, den die USA beschossen hätten. Es gebe aber noch keine Sicherheit, welche Flugzeuge dazu benutzt wurden.

Syrien bestreitet den Einsatz von Giftgas. Erklärungen aus Damaskus zufolge wurde das Gas freigesetzt, als Giftgaslager der Rebellen getroffen wurden. Russland erklärte, die syrischen Regierungstruppen verfügten seit 2014 nicht mehr über Giftgasvorräte. Russlands stellvertretender UN-Botschafter Wladimir Safronkow verurteilte die US-Operation als "ungeheuerliche Verletzung" des Völkerrechts und einen "Akt der Aggression".

Die Vereinigten Staaten hätten damit einen souveränen Staat attackiert, sagte Safronkow im UN-Sicherheitsrat. "Die Konsequenzen für die Region und die Welt könnten ernst sein." Die Militäraktion der USA belastete das Verhältnis zur Regierung in Moskau. Eine Sprecherin des Moskauer Außenministeriums sagte laut der Nachrichtenagentur Interfax, US-Außenminister Rex Tillerson werde in der kommenden Woche in der russischen Hauptstadt erwartet. Dann solle er erklären, "was für seltsame Dinge" die Amerikaner getan hätten, ergänzte sie in Anspielung auf den Luftangriff.  

Die russische Regierung hatte nach dem US-Luftangriff gedroht, die Vereinbarung auszusetzen, einander am Telefon über Militärflüge und -Aktionen in Syrien zu informieren, um Konfrontationen zu vermeiden. Die US-Regierung bestreitet, dass die Verbindung gekappt worden wäre. Russland habe zugestimmt, die Verbindung aufrecht zu erhalten, über die Moskau und Washington ihre Kampfeinsätze abgesprochen hatten, sagten hohe US-Militärs.

Syrien fliegt wieder Angriffe von attackiertem Stützpunkt

Kurz vor Haleys Äußerungen hatte UN-Generalsekretär António Guterres gefordert, eine weitere Eskalation zu vermeiden. "Eingedenk des Risikos einer Eskalation bitte ich um Zurückhaltung, um jegliche Handlungen zu vermeiden, die das Leid des syrischen Volkes verschlimmern könnten", ließ er am Freitag mitteilen. "Die Vorgänge untermauern meine Ansicht, dass es keinen anderen Weg gibt, diesen Konflikt zu beenden, als eine politische Lösung."

Darauf konnten sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats am Freitag nicht einigen. Die dritte Sondersitzung des Gremiums zum Syrien-Konflikt in Folge ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Zu einer Abstimmung über einen von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf kam es aber erneut nicht. Auch zwei Gegenentwürfe von Russland einerseits und den zehn nichtständigen Ratsmitgliedern andererseits wurden nicht berücksichtigt. Zuvor waren bereits zwei Sitzungen des Gremiums am Mittwoch und Donnerstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, dass wenige Stunden nach dem US-Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat syrische Kampfjets von der Basis erneut zu Einsätzen gestartet seien. Zwei syrische Kampfflugzeuge hätten am Freitag von dem Stützpunkt aus Angriffe auf Ziele nahe Palmyra geflogen. Die Informationen der Aktivisten mit Sitz in London lassen sich nur sehr schwer unabhängig überprüfen, haben sich in der Vergangenheit aber oft als verlässlich herausgestellt.