Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist kein Freund gespielter Herzlichkeit. Seit Jahren lieben ihn die Russen für sein sorgsam gepflegtes Image als abgebrühter Profi. Doch selbst für seine Verhältnisse fiel der Protokolltermin mit US-Kollege Rex Tillerson zu Beginn von dessen Moskau-Besuch trocken aus. So trocken, dass das "Willkommen" am Ende seiner Begrüßung fast schon wie eine ironische Bemerkung wirkte.

Denn vor dem "Willkommen" hatte Lawrow die amerikanische Außenpolitik zerpflückt. Der Militärschlag gegen Syrien sei rechtswidrig, und es sei wichtig, dass sich so etwas nicht wiederhole. Ein paar Sätze weiter beklagte Lawrow zudem, dass die Kommunikation mit dem US-Außenministerium dadurch erschwert werde, dass dort noch nicht alle wichtigen Posten besetzt seien. Gerade deshalb sei Tillersons Besuch wichtig, "um die realen Absichten von Trumps Administration zu verstehen", erklärte der Minister. Sein Gegenüber Tillerson beließ es bei den üblichen Floskeln und sprach von gemeinsamen Interessen und taktischen Differenzen, die es zu verstehen gelte.

So also begann das Treffen, auf das noch vor wenigen Wochen viele Beobachter große Hoffnungen gesetzt hatten. Es sollte der erste Schritt werden auf dem Weg zu besseren Beziehungen. Nun aber erklärte Präsident Putin in einem während des US-Besuchs ausgestrahlten Interview, das Vertrauen zwischen beiden Staaten sei noch weiter erodiert. Von einem "Großen Deal", bei dem sich die USA und Russland über alle internationalen Probleme einigen können, und von dem einige Falken im Dunstkreis des Kremls geträumt hatten, ist jedenfalls längst keine Rede mehr.

Probleme von Obama geerbt

Kurzfristig hatte sich Putin dennoch entschlossen Tillerson doch noch im Kreml zu empfangen. Das scheint zwar einerseits die Stimmung etwas verbessert zu haben. Denn am Abend, beim nächsten Auftritt mit Tillerson, erklärte Lawrow schon ungleich diplomatischer als am Morgen: "Ich sehe keine unüberwindbare Distanz zwischen unseren Positionen", erklärte Minister Lawrow. Viele Problem habe man noch aus der Zeit von Barack Obama geerbt. Sein amerikanischer Kollege sprach von einem produktiven Treffen mit Putin, das zwei Stunden gedauert hatte.

Russlands Staatschef hatte sich während des Treffens offenbar bereit erklärt, die militärischer Koordination mit der US-geführten Koalition künftig wiederaufzunehmen. Diese war nach dem amerikanischen Raketenbeschuss suspendiert worden. Einigkeit herrschte zudem darüber, dass die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen sein soll. In Sachen Ukraine sprachen sich beide Seiten in gewohnten Floskeln für die Erfüllung des Minsker Abkommens aus.

Andererseits aber war man sich dann im Nachhinein doch nicht ganz einig darüber, worüber man sich einig geworden war. Bei der Pressekonferenz erklärte Lawrow noch, die USA und Russland wollten beide, dass der vermeintliche Giftgasangriff in Syrien durch die UN unabhängig untersucht werden solle. Das aber dementierte kurz darauf ein Sprecher von Tillerson. Eine solche Einigung sei nicht erzielt worden, die UN bräuchten für eine Untersuchung auch keinen Anschub durch die USA.

Überhaupt wurden beim Thema Syrien schon nach den ersten Nachfragen die eigentlichen, tiefen Differenzen deutlich. Tillerson erklärte, für Assad gebe es keinen Platz im syrischen Friedensprozess. "Russland als engster Verbündeter kann Assad diese Realität näher bringen", sagte der US-Außenminister. Lawrow seinerseits bekräftigte, dass noch kein Diktatorensturz in der jüngsten Vergangenheit zur Verbesserung der Situation in den betroffenen Ländern geführt habe. Zumal die Syrer selber darüber zu entscheiden hätten.