Die deutsch-türkischen Spannungen und die Situation in der Türkei wirken sich jetzt auch auf den Reiseverkehr aus. Eigentlich benötigen EU-Bürger für Reisen in die Türkei von bis zu 90 Tagen kein Visum. Doch seit Anfang des Jahres ist etwa 100 Deutschen an Flughäfen der Türkei die Einreise verweigert worden. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Oftmals sei die Abweisung "unter Verweis auf eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" erfolgt, heißt es in dem Schreiben. Wie viele der Betroffenen neben dem deutschen auch einen türkischen Pass haben, geht daraus nicht hervor.

Staatsminister Michael Roth (SPD) sagte, die Bundesregierung habe sich gegenüber der türkischen Regierung dafür eingesetzt, "größtmögliche Transparenz für die Betroffenen herzustellen und die Möglichkeit einer Überprüfung entsprechender Entscheidungen zu gewährleisten".

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind seit Monaten extrem angespannt. Sie wurden zuletzt vor allem durch die Inhaftierung des deutschtürkischen Journalisten Deniz Yücel und den Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Regierungspolitiker in Deutschland vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei belastet.

Die Linken-Abgeordnete Sevim Dağdelen reagierte scharf auf die Zurückweisungen. "Mit faktischen Einreiseverboten gegenüber immer mehr Deutschen weitet der türkische Staatspräsident (Recep Tayyip) Erdoğan die Kampfzone für seine Diktatur weiter aus", sagte sie.