US-Präsident Donald Trump hat dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zum Ergebnis des Referendums gratuliert. Trump habe Erdoğan angerufen, um ihn für seinen Sieg beim Verfassungsreferendum zu beglückwünschen, teilt die türkische Nachrichtenagentur und das Weiße Haus mit.

Zuvor hatte Trumps Pressesprecher Sean Spicer in Washington gesagt, das Weiße Haus werde sich zunächst nicht zu dem Ausgang des Referendums äußern. "Es gibt eine internationale Kommission, die das untersucht und in zehn bis zwölf Tagen ihren Bericht veröffentlichen wird. Wir werden warten und sie ihren Job machen lassen", sagte er.

Internationale Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben Kritik am Referendum geäußert. Die Abstimmung habe zahlreiche Mängel, zudem gab es ungleiche Bedingungen für Unterstützer und Gegner des Referendums.

In Istanbul gingen laut ZEIT-ONLINE-Reporter Nico Schmolke etwa 10.000 Menschen gegen das Referendum auf die Straße. Im Stadtteil Beşiktaş riefen sie unter anderem "Dieb, Mörder, Erdoğan". Anwohner lehnten sich aus dem Fenster und klatschten oder schlugen als Zeichen der Solidarität mit dem Protest auf Kochtöpfe. Auch beim Protest im Viertel Kadıköy, auf der asiatischen Seite Istanbuls, demonstrierten Tausende. Augenzeugen berichten von Plakaten, auf denen "Das Nein ist nicht zu Ende, es fängt gerade erst an" geschrieben stand.

Unterdessen wird der Ausnahmezustand in der Türkei für weitere drei Monate verlängert. Das Kabinett in Ankara stimmte der nochmaligen Verlängerung zu, wie Vizeregierungschef Numan Kurtulmuş in Ankara mitteilte. Zuvor hatte sich der Nationale Sicherheitsrat dafür ausgesprochen. Das türkische Parlament, in dem die regierende AKP die Mehrheit hat, muss nun noch zustimmen. Kurtulmuş sagte, die Entscheidung ziele nicht darauf, der Regierung freie Hand zu geben, sondern den "Kampf gegen terroristische Gruppen" zu ermöglichen.

Der Ausnahmezustand war am 20. Juli, fünf Tage nach dem gescheiterten Militärputsch, verhängt worden. Er wurde im Oktober und im Januar für jeweils drei Monate verlängert. Unter dem Ausnahmezustand sind wichtige Grundrechte wie die Versammlungs- und Bewegungsfreiheit eingeschränkt, zudem verfügt der Präsident über das Recht, per Dekret zu regieren. Erdoğan hat von diesem Recht ausgiebig Gebrauch gemacht. Die Opposition wirft ihm vor, seine Befugnisse zu missbrauchen, um das Parlament zu umgehen.

Bei dem Referendum über eine von Präsident Erdoğan geplante Verfassungsänderung hatte eine Mehrheit der Türken am 16. April mit Ja gestimmt. Die Verfassungsänderung sieht die Einführung eines Präsidialsystems vor, welches dem Präsidenten umfassende Rechte einräumt. Mehr als 51 Prozent der Wähler stimmten mit Ja. Die Wahlbeteiligung lag bei 86 Prozent. Auch die in Deutschland lebenden Türken waren wahlberechtigt. Sie konnten bis zum 9. April abstimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 50 Prozent. Rund 63 Prozent der Deutschtürken stimmten mit Ja.