Die größte türkische Oppositionspartei CHP will die Ablehnung ihres Antrags auf Annullierung des Verfassungsreferendums durch die Wahlbehörde nicht hinnehmen. Der CHP-Vizevorsitzende und Abgeordnete Bülent Tezcan kündigte an, vor den Staatsrat in Ankara zu ziehen. Das höchste türkische Verwaltungsgericht ist zuständig für alle Beschwerden gegen staatliche und öffentliche Einrichtungen.

Die CHP stört sich vor allem an der umstrittenen Entscheidung der Wahlkommission, nicht von ihr gestempelte Stimmzettel und Umschläge als gültig zu zählen. Dieses Vorgehen soll vom Gericht für nichtig erklärt werden. Auch soll die Veröffentlichung des amtlichen Endergebnisses verhindert werden.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım nannte die Pläne der Opposition "nutzlose Bemühungen", "vergeblich" und "Zeitverschwendung". Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu zitiert ihn mit den Worten: "Niemand hat das Recht, den Menschen die Zeit zu stehlen." Natürlich stehe es jedem frei, Gerichte anzurufen. Es sei aber "nicht der demokratische Weg, vor Gericht zu ziehen und Beschwerden vorzubringen, um die Entscheidung des Volkes zu korrigieren". Das Volk habe seine Entscheidung gefällt. Sie anzufechten bedeute, die Demokratie zu missachten. "Kein Gericht kann Beschlüsse der Wahlkommission kippen. Die Wahlkommission trifft die endgültige Entscheidung".

Am Sonntag hatten die Türken mit einer knappen Mehrheit von 51,4 Prozent für die Einführung eines Präsidialsystems und damit für die Ausweitung der Machtbefugnisse von Präsident Recep Tayyip Erdoğan gestimmt. Gegen das Ergebnis geht auch die oppositionelle prokurdische HDP vor. Die Wahlkommission hat den Antrag jedoch abgewiesen.