Die Pläne für jede Art militärischer Intervention in Syrien lagen seit Jahren bereit. Bodentruppen, so viel war klar, würden die USA über kleinere Kontingente von Spezialkräften hinaus in keinem Fall entsenden. Doch spätestens als Barack Obama den Einsatz von Chemiewaffen als rote Linie markierte, waren die Amerikaner kurz davor, massiv in den Krieg einzugreifen. 2013 war das, als das Assad-Regime in Ghuta mit chemischen Kampfstoffen ein Massaker anrichtete. Keine leichte Entscheidung, wie darauf zu reagieren sei. Der Präsident jedoch schreckte schließlich vor den Gefahren zurück und tat am Ende: nichts. Ein wenig zur Gesichtswahrung trug bei, dass unter Beteiligung Russlands ein Deal erreicht werden konnte: Syrien stimmte zu, sein Chemiewaffenarsenal vollständig zerstören zu lassen.

Der neuerliche Angriff mit chemischen Waffen vor wenigen Tagen bei Chan Scheichun kam deshalb überraschend, zumindest wenn man glaubte, dass nach der Übereinkunft wirklich alle Kampfstoffe angegeben und vernichtet wurden. Nach allem, was bisher bekannt ist, erwies sich das als Trugschluss. Obamas Nachfolger Donald Trump hat darauf weitaus schneller und entschiedener reagiert: Rund 60 Tomahawk-Marschflugkörper feuerte das US-Militär auf einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe nahe Homs, von dem aus der Angriff nach ihren Erkenntnissen erfolgt sein soll. Das war der leichte Teil: Mit einem gezielten Schlag gegen militärische Einrichtungen des Regimes hat Trump ein Signal gesetzt, dass die USA sich offenbar doch nicht aus der Rolle eines Weltpolizisten zurückziehen.

Trump widerlegt damit auf den ersten Blick alle Ankündigungen, künftig folge jede Politik der Parole America first. Zwar hat er immer wieder die Vernichtung der Terrorgruppe "Islamischer Staat" versprochen. Zugleich schien die Perspektive der nationalen Sicherheit, die von den Dschihadisten bedroht wird, der einzige Maßstab für Trumps Blick insbesondere auf Syrien. Noch im Wahlkampf hatte er seiner Kontrahentin Hillary Clinton für ihre Forderung nach einer Flugverbotszone vorgeworfen, einen Dritten Weltkrieg anzetteln zu wollen. Der moralische Antrieb, mit militärischen Mitteln vor allem die syrische Zivilbevölkerung zu schützen, schien ihm fremd. Und Trump teilte so mit Obama zumindest im Endeffekt die Strategie: raushalten aus dem unwägbaren Kriegsgeschehen, zur Not bleibt Assad noch lange an der Macht, das Interesse der USA liegt vor allem in der Bekämpfung der Terroristen, das Töten in Syrien ist nicht zu stoppen und auch nicht unsere Sache – kontrolliertes Abbrennen, wenn man so will.

Ist Trumps rasanter Vergeltungsschlag nun die Wende dieser Politik? Wohl kaum.

Ja, es sieht so aus, als sei Trump ganz der harte und entschlossene Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Dieses Bild dürfte ihm gefallen. Syrische Milizen, die gegen Assad kämpfen, fordern bereits, dass nun Angriffe auf alle Luftwaffenbasen erfolgen müssten. Die Türkei will eine Flugverbotszone. Doch mehr als ein Symbol ist der aktuelle Schlag noch nicht: Das Regime spielt ihn als "begrenzt" herunter und erwartet keine Eskalation. Die Amerikaner hatten vorab Russland über den Angriff gewarnt, wohl damit keine auf der Basis stationierten Russen getötet würden. Diese Information wird dem syrischen Militär geholfen haben, die Verluste klein zu halten, vor allem aber ist sie Ausdruck des Bewusstseins, wie anders die Lage heute ist im Vergleich zu 2013: Russland stützt seinen Schützling Assad und kontrolliert im Grunde den syrischen Luftraum – jede Konfrontation mit dem Regime ist inzwischen auch eine Konfrontation mit Russland.

Deshalb ist es kaum überraschend, wenn die US-Regierung nun ebenfalls darum bemüht ist, den begrenzten Charakter der Intervention deutlich zu machen. Und gleich mitzuteilen, ihre Sicht der Lage in Syrien habe sich nicht grundlegend verändert. Der Einsatz habe der Abschreckung gedient und sei nicht der Beginn einer groß angelegten Offensive zum Sturz Assads. Dass Trump trotzdem in absehbarer Zeit noch stärker in diesen Krieg eingreift – absolut nicht ausgeschlossen. Die Pläne liegen jedenfalls bereit.