Gestern noch verkündete US-Präsident Donald Trump, er werde keine Kriege für humanitäre Ziele führen. Jetzt aber rächt Amerikas Präsident die syrischen Opfer einer wahrscheinlich vom Assad-Regime befohlenen Giftgasattacke mit einem Raketenangriff.

Gestern noch sah Trump im russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Partner, mit dem er "großartige Geschäfte" machen wollte – gerade auch in Syrien. Jetzt sind Amerikas Beziehungen zum mit Assad verbündeten Russland aufs Äußerste gespannt. Manche sprechen schon vom gefährlichsten Konflikt zwischen den beiden Mächten seit der Kuba-Krise.

Hat sich Donald Trump um 180 Grad gedreht? Kehrt er nach gerade einmal drei Monaten im Weißen Haus zurück zu manchen realpolitischen Einsichten seiner Vorgänger? Will er also Amerika – anders als angekündigt – doch nicht aus den Weltkonflikten heraushalten? Will er nicht zusehen, wie Russland, der Iran und Assad Syrien zugrunde richten? Und will er mit seinem Überraschungscoup gar die Karten in der Krisenregion neu mischen?

Vielleicht. Nicht auszuschließen, dass Amerikas Militärschlag Bewegung in die verfahrene Lage bringt. Und dass Russland zwar nicht seine Interessen in Syrien, aber vielleicht den Menschenschlächter Assad fallen lässt.

Gut möglich aber ebenso, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Dass der Bürgerkrieg weiter eskaliert und dass Russland und der Iran jetzt erst recht das syrische Regime stützen.

Amerikas Reaktion auf den Giftgasangriff ist durchaus nachzuvollziehen. Welche politischen Schritte aber darauf folgen sollen, weiß keiner. Donald Trump schon gar nicht. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ist kein Stratege. Er hat sich nicht intensiv mit den vielen Facetten des Bürgerkriegs beschäftigt, er hat sich nicht eingehend beraten und nicht alle Optionen geprüft.

So sieht und so macht er nicht Politik. Hinter seiner Entscheidung für einen Militärschlag steckt eine spontane Gefühlsaufwallung, aber kein langfristiger Plan für Syrien oder die Region.

Spontan eine Lektion erteilt

Wie meist wird Trump vor allem von Emotionen gelenkt. Die grausamen Bilder der Giftgasopfer, vor allem jene der ermordeten Kinder, hatten ihn wie alle, die zu menschlichen Regungen fähig sind, extrem aufgewühlt und aufgebracht. Und wie so oft meinte Trump auch in diesem Fall, spontan handeln und den Tätern eine Lektion erteilen zu müssen.

Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Und es war höchste Zeit, Assad endlich eine rote Linie aufzuzeichnen. Doch wie so viele Überzeugungen in Trumps Leben muss auch die jetzige Kehrtwende in seiner Außenpolitik nicht von Dauer sein.

Berechenbar ist allenfalls seine Unberechenbarkeit. Sie gehört zu seinem Wesen, ist eine Konstante und bestimmt auch sein Regierungshandeln. Anders als Obama wägt Trump nicht tagelang die Argumente und er geht nicht vor einer schwerwiegenden Entscheidung mit sich allein im stillen Kämmerlein in Klausur.