Andrew Goodman und seine Kollegen sind erleichtert. "Wir haben alle erwartet, dass Obamacare verschwindet", sagt der junge Mediziner. Doch dann kam alles anders, die Reform der Reform scheiterte noch vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus, Obamacare bleibt bis auf Weiteres in Kraft. "Es war gut zu sehen, dass die Menschen sich Gehör verschafft haben und das Gesetz bekämpft haben", sagt Goodman. Der 35-Jährige mit dem grauen Bart und den grauen Locken sitzt in seinem kleinen Büro, das nur durch einen Vorhang von der Rezeption getrennt ist.

Um die Worte, die im Innern gesprochen werden, nicht nach draußen dringen zu lassen, stellt er ein kleines rundes Gerät an die Tür, das den Raum mit einem monotonen weißen Rauschen füllt. Dies ist kein Ort für New Yorker mit Geld.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Goodman als Familienarzt in dem Gesundheitszentrum Callen-Lorde in Manhattan, 18. Straße. In den siebziger Jahren war es vor allem ein sicherer Ort für homosexuelle Männer, um dringend benötigte ärztliche Versorgung zu bekommen. Als kurz darauf die Aids-Krise die Schwulengemeinde in New York traf, gewann die Bewegung an Geschwindigkeit. Seitdem ist auch das Zentrum ständig gewachsen, heute bietet es eine medizinische Rundumversorgung vor allem für die LGBTQ-Gemeinde. 2016 wurden fast 18.000 Patienten behandelt.

An der Rezeption gibt es Aufkleber, auf denen man das Pronomen wählen kann, das zur eigenen Identität passt. An den Wänden hängen Plakate, die auf neue Hormontherapien hinweisen oder dazu aufrufen, die HIV-Präventionspille Truvada zu nehmen. "Wir sind ein medizinisches Zuhause", sagt Goodman. Ein Zuhause, das seit dem Wahlsieg von Donald Trump in Gefahr ist.

Konservative hassen Obamacare

Seit Jahren setzen die Republikaner auf eine bedingungslose Abschaffung von Obamacare. Mit der Gesundheitsreform von Trumps Vorgänger hatten Millionen zum ersten Mal Zugang zu einer Krankenversicherung, darunter vor allem zahlreiche Amerikaner mit niedrigem Einkommen. Erstmals waren Mindestleistungen wie Psychotherapien oder Rehabilitationstherapien Pflicht in jedem Versicherungsplan.

Doch bei den Konservativen in Washington war die Reform verhasst, seit Jahren probieren sie, Obamacare loszuwerden – Versicherungen sollten wieder freiwillig, die Pläne und der Eingriff aus Washington auf ein Minimum heruntergeschraubt werden. Kurz nach der Wahl hätten ihn viele Patienten gefragt, was aus ihrer Versicherung werde, erzählt Goodman. "Wir hatten wenig Antworten für sie."

Der 35-Jährige erinnert sich gut daran, wie es vor der Reform aussah. "Ich habe Patienten gehabt, die nur mit wirklich akuten Erkrankungen kamen." Damals arbeitete Goodman als angehender Arzt in einem Gesundheitszentrum in Philadelphia. Impfungen oder Gesundheitschecks hätten die meisten einfach ausgelassen, weil die Kosten für sie zu hoch gewesen seien.

USA - Was kommt nach Obamacare? Das Gesundheitswesen der USA steht vor einer großen Veränderung, falls Obamacare abgeschafft wird. Vor allem in ländlichen Regionen könnte das weitreichende Folgen haben. © Foto: Guthaben Eleonore Sens / AFPTV / AFP