US-Präsident Donald Trump hat im Konflikt mit Nordkorea erneut vor einer Eskalation gewarnt. Trump sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er strebe eigentlich eine diplomatische Lösung des Streits um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm an, aber das sei "sehr schwierig". "Es besteht die Möglichkeit, dass wir am Ende einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben", sagte er. "Absolut."

Zugleich lobte Trump die Hilfe des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, bei den Bemühungen die Führung in Pjöngjang zum Einlenken im Konflikt um ihr Atom- und Raketenprogramm zu bewegen. "Ich denke, er bemüht sich sehr stark." Xi wolle sicherlich nicht, dass es zu einer Eskalation und Toten komme. Den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un könne er nur schwer einschätzen, sagte Trump. Er hoffe, dass Kim ein "vernünftiger Mensch" sei.

Konkreter wurde Trumps Außenminister Rex Tillerson in einem Interview mit dem US-Sender Fox News. Über Kim Jong Un sagte er, dieser möge "rücksichtslos" und "ein Mörder" sein. "Er mag jemand sein, der in vielerlei Hinsicht aus unserer Perspektive betrachtet irrational ist. Aber er ist nicht verrückt", sagte Tillerson und berief sich dabei auf Informationen der US-Geheimdienste. Der nordkoreanische Diktator sei ein "vernünftiger Mensch, mit dem verhandelt werden kann."

Tillerson: China drohte Nordkorea mit Sanktionen

Tillerson zufolge setzen die USA bei diesen Gesprächen vor allem auf die Regierung in Peking. Ihm zufolge gibt es erste Anzeichen dafür, dass sie von Nordkorea abrückt. So habe China den Verbündeten in Pjöngjang vor weiteren Nukleartests gewarnt. China, so Tillerson im Interview mit Fox News, habe Nordkorea im Fall eines weiteren Tests gar Sanktionen angedroht. Dies sei ein Beleg dafür, dass Peking bereit sei, mit der amerikanischen Regierung zusammenzuarbeiten, um den Druck auf das isolierte kommunistische Land zu erhöhen.

Die chinesische Regierung wollte Tillersons Aussagen nicht direkt kommentieren. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte jedoch, dass Peking sich weiterhin verpflichtet fühle, die durch eine Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen eingeführten Sanktionen gegen Nordkorea weiterhin aufzuerlegen. Zugleich machte er deutlich, dass China eher seinen internationalen Verpflichtungen nachkomme, als sich von außenstehenden Parteien Druck machen zu lassen. 

"Wir streben nicht den Kollaps des Regimes an"

An diesem Freitag will auch der UN-Sicherheitsrat über den Konflikt beraten. Bei der Sitzung soll UN-Generalsekretär António Guterres das Gremium über die Lage informieren. Ein greifbares Ergebnis wie eine Erklärung, eine Resolution oder gar die Verabschiedung neuer Sanktionen sei nicht geplant, hieß es von der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen. Für die USA, die derzeit den monatlich rotierenden Vorsitz des Rats innehaben, nimmt erstmals auch Tillerson teil. 

In einem weiteren Interview mit dem Sender NPR hatte er zuvor betont, die USA seien weiterhin offen für direkte Gespräche mit Nordkorea. Aber das Land müsse sich dazu bereit erklären, sein Atomprogramm aufzugeben. "Wir hoffen, dass wir sie davon überzeugen können, dass sie diese Waffen nicht brauchen, um die Existenz ihres Regimes sicherzustellen", sagte er. "Wir streben nicht den Kollaps des Regimes an. Wir wollen keine beschleunigte Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel. Wir wollen eine nuklearwaffenfreie Halbinsel."

Nach zwei Atomversuchen und zahlreichen Raketentests durch Nordkorea seit dem vergangenen Jahr ist die Lage in der Region sehr angespannt. Ein hoher Sicherheitsbeamter der US-Regierung, der namentlich nicht genannt werden wollte, hatte gesagt, die USA wögen derzeit eine Reihe von Optionen ab – neben diplomatischen und wirtschaftlichen auch militärische. Zusammen mit der verbündeten Regierung in Südkorea hatte das US-Militär mit dem Aufbau eines umstrittenen Raketenabwehrsystems begonnen.

Der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Harry Harris, sagte, die Krise mit Nordkorea sei am schlimmsten Punkt, den er je gesehen habe. Er habe keinen Zweifel daran, dass der nordkoreanische Machthaber an seinem Vorhaben festhalten werde, Langstreckenraketen mit Nuklearsprengköpfen zu besitzen, die auch das Festland der USA erreichen können. Innerhalb der US-Geheimdienste gäbe es zwar noch Unsicherheit, wie weit das Atomwaffenprogramm Nordkoreas vorangeschritten sei. Es sei aber eher eine Frage des "Wann" und nicht des "Ob", so Harris.