Bei Protesten gegen die sozialistische Regierung von Nicolás Maduro ist in Venezuela ein Mann erschossen worden. Zudem wurden bei den Zusammenstößen zwischen oppositionellen Demonstranten und Sicherheitskräften in Caracas mindestens 18 Menschen verletzt, wie die Opposition mitteilte. Die Polizei setzte massiv Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, Demonstranten warfen große Steine auf die Polizisten. Um Menschen von der Teilnahme an Demonstrationen abzuhalten, wurden wichtige Zufahrtsstraßen nach Caracas gesperrt. Insgesamt gingen Zehntausende auf die Straßen.

Beobachter sprechen von den härtesten Protesten seit Monaten und einer zunehmend nervösen Regierung. Regierungsgegner kämpfen für eine Volksabstimmung über eine Amtsenthebung von Präsident Maduro. Sie machen ihn für die Wirtschaftskrise verantwortlich, die durch den starken Ölpreisrückgang seit 2014 verschärft wurde. Wegen des niedrigen Ölpreises und jahrelanger Misswirtschaft fehlen dem Land mit der höchsten Inflation der Welt Devisen für den Import von Lebensmitteln, Medikamenten und Dingen des täglichen Bedarfs.

Maduro wittert eine Verschwörung des bürgerlichen Lagers und des Auslands gegen seine sozialistische Regierung. Rund 30 Menschen wurden bisher festgenommen, die der Präsident als Terroristen bezeichnete. Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass Venezuela mehr als 100 politische Gefangene hält. Die oppositionelle Parlamentsmehrheit hat ein Absetzungsverfahren gegen regierungstreue Verfassungsrichter eingeleitet, denen sie die zwischenzeitliche Entmachtung des Parlaments vorwerfen. Auf Druck des Auslands und auch aus eigenen Reihen wurde das Urteil wieder zurückgenommen.