Im Machtkampf in Venezuela stellt sich das von der Opposition dominierte Parlament gegen den Ausstieg aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Das Vorhaben sei "absolut nichtig", sagte der Chef der für Außenpolitik zuständigen Parlamentskommission, Luis Florido, in Caracas. Ohne Parlamentszustimmung sei ein Ausstieg aus so einem internationalen Vertrag nicht möglich. Präsident Nicolás Maduro will aus der OAS austreten, nachdem die seine Politik kritisiert hatte.

Maduro sagte: "Wir werden nie mehr zurückkehren. Wir befreien unser Vaterland vom Interventionismus. Wir sind frei." Zugleich griff er einen seiner schärfsten Kritiker, OAS-Generalsekretär Luis Almagro, massiv an. Der frühere uruguayische Außenminister wirft ihm vor, das Land mit den größten Ölreserven der Welt in eine Diktatur zu verwandeln. "Almagro ist die Schande Lateinamerikas", sagte Maduro in Caracas. Der OAS gehören bisher alle 35 Staaten von Nord- bis Südamerika an. Die Organisation setzt sich für Demokratie und die Achtung der Menschenrechte ein. Venezuela wirft indessen den USA vor, die OAS zu dominieren.

Der OAS-Austrittsprozess wird zwei Jahre dauern. Damit isoliert sich die Regierung weiter. Venezuela droht zusätzlich der Rauswurf aus dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur.

"Venezuela ist ein Chaos", sagte US-Präsident Donald Trump unterdessen in Washington. "Ich bin sehr traurig über das, was in Venezuela passiert." Ein Sprecher des Außenministeriums sagte: "Wir möchten, dass Venezuela in der OAS bleibt, aber Venezuela muss auch die Bedingungen der OAS erfüllen." Die USA sind ein großer Abnehmer von Erdöl aus Venezuela.

Bei Protesten und Plünderungen starben in den letzten Wochen 32 Menschen, 500 wurden verletzt und es kam zu 1.300 Festnahmen. Hunderttausende demonstrierten unter dem Slogan "Keine Diktatur mehr" und fordern Neuwahlen. Das Parlament ist de facto machtlos, Maduro regiert weitgehend mit Notstandsdekreten.

Nicolás Maduro - Weitere Tote bei Protesten in Venezuela Bei den Protesten gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro starben zwei weitere Menschen. Damit kamen seit Anfang April bereits 32 Menschen ums Leben. Maduro hatte angekündigt, aus der Organisation Amerikanischer Staaten auszutreten. © Foto: Miraflores Palace/Reuters