Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolás Maduro lehnt trotz Massenprotesten mit mehreren Toten Neuwahlen kategorisch ab. "Sie wissen nicht, was wir in der Lage sind zu tun", drohte der 54-Jährige in einer Fernsehsendung der Opposition, die er für die Eskalation verantwortlich macht. "Nach fast 20 Jahren der Revolution bin ich bereit, einen neuen historischen Schritt zu unternehmen." Angesichts der zunehmend mit Gewalt verbundenen Proteste versicherte er: "Wir werden nicht in einen Bürgerkrieg geraten."

Auch am Montag versammelten sich wieder Menschen im ganzen Land zu Demonstrationen. Sie wollen so lange auf die Straße gehen, bis Maduro einlenkt. Ihre Forderungen: freie Wahlen, Freilassung von politischen Gefangenen, Achtung der Entscheidungen des Parlaments sowie sofortige Hilfsmaßnahmen, um die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.

Viele befürchten weitere Gewalt. Seit Ausbruch der Proteste Anfang April sind bereits 21 Menschen getötet worden. Weitere 1.300 Regierungsgegner wurden nach Angaben von Anwälten festgenommen. Auslöser für die Massenproteste waren die Entmachtung des von der Opposition dominierten Parlaments und Sorgen vor dem Abdriften in eine Diktatur.

Das Parlament ist seit Monaten de facto machtlos, da Maduro mithilfe der Justiz und Notstandsdekreten an der Legislative vorbeiregiert. Ende März wurde es durch ein Urteil des obersten Gerichtshofs komplett entmachtet, das wurde aber wenig später wieder rückgängig gemacht – es war jedoch der Schritt, der viele Menschen in Venezuela endgültig gegen Mauro aufbrachte.

Der Vizepräsident des Parlaments, Freddy Guevara, kündigte weitere Proteste in allen 24 Bundesstaaten des Landes an. Er rief auch das Militär dazu auf, mit Maduro zu brechen. Der Präsident will derweil 500.000 Milizen mit Gewehren ausrüsten und wirft der Opposition vor, einen Putsch gegen ihn vorzubereiten.

Das Land steckt trotz der größten Ölreserven der Welt seit über drei Jahren in der schlimmsten Versorgungskrise seiner Geschichte, die Regierung führt das auf den zeitweise stark gefallenen Ölpreis zurück. Schlangen vor oft leeren Supermärkten und Menschen, die im Müll nach Essbarem suchen, sind Alltag. Zudem hat die Gewalt zugenommen: 2016 wurden fast 28.500 Menschen ermordet.

Da Devisen für den Import von Lebensmitteln und Medikamenten fehlen, wird auch versucht, Goldvorräte zu Geld zu machen. Es gab schon 2016 sogenannte Swap-Geschäfte, bei denen die Zentralbank einer anderen Bank Goldreserven für eine bestimmte Zeit leiht und dafür Devisen erhält.

In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief warnte Parlamentspräsident Julio Borges Deutsche-Bank-Chef John Cryan davor, ein mögliches Goldgeschäft mit Präsident Maduro einzugehen. Die Deutsche Bank unterstütze sonst eine diktatorische Regierung mit "Verbindungen zum Drogenhandel und internationalen Terrorismus". Die Bank wollte dies nicht kommentieren. Von 361 Tonnen (2014) fielen die Reserven der venezolanischen Zentralbank bis Ende 2016 bereits auf 170 Tonnen Gold.