Venezuela - Zehntausende protestieren gegen Maduro In der venezolanischen Hauptstadt Caracas ist es bei einer Demonstration gegen Präsident Nicolás Maduro zu Krawallen gekommen. Auf Polizisten wurden Steine geworfen, sie antworteten mit Tränengas. © Foto: Carlos Garcia Rawlins/Reuters

Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei sind in Venezuela Dutzende verletzt worden. Mehr als 50 Menschen wurden bei den Protesten gegen die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro in der Hauptstadt Caracas festgenommen, wie der Menschenrechtsaktivist und Anwalt Alfredo Romero sagte.

Die Polizei errichtete Blockaden und setzte massiv Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Demonstranten schleuderten Steine auf Polizisten. Mutmaßliche Regierungsgegner randalierten in einem Verwaltungsgebäude. Innenminister Néstor Reverol sprach von "Terrorakten faschistischer Gruppen".

Die Proteste richteten sich gegen die Entscheidung des nationalen Rechnungshofs, Oppositionspolitiker Henrique Capriles ein Berufsverbot für 15 Jahre zu erteilen. Ihm werden "administrative Unregelmäßigkeiten" vorgeworfen. Unter anderem soll er Vertragsgesetze gebrochen haben. Regierungskritiker bezeichneten das Verbot als Willkür. Es ziele nur darauf ab, populäre Politiker auszuschalten. Capriles will im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl kandidieren. Dem Gouverneur des Bundeslandes Miranda werden gute Chancen prognostiziert. Er hat sich bereits zweimal um das Amt des Präsidenten beworben. Durch das Berufsverbot kann Capriles nun nicht bei der Wahl antreten.

Bei den vergangenen Protesten gegen Maduro kam am Donnerstag ein Mann bei Auseinandersetzungen mit der Polizei ums Leben. Die Gegner des Präsidenten machen ihn für die schlechte wirtschaftliche Situation im Land verantwortlich und werfen ihm vor, eine Diktatur errichten zu wollen. Auch die Rücknahme der umstrittenen Entscheidung, dem Parlament die Macht zu entziehen, konnte die Proteste nicht stoppen.

Die Menschen im Land leiden unter Engpässen von Medikamenten und Lebensmitteln. Maduros sozialistisches Regierungssystem wird von vielen als Ursache der schweren Wirtschaftskrise und der weltweit höchsten Inflation gesehen. Dem Land droht der Rauswurf aus dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur. Die Anhänger Maduros werfen seinen Gegnern vor, einen Wirtschaftskrieg entfesselt zu haben.