Der Machtkampf in Venezuela hat weitere Menschen das Leben gekostet: Bei nächtlichen Unruhen und Plünderungen sind in der Hauptstadt Caracas nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwölf Menschen getötet worden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Beginn der neuen Protestwelle gegen Präsident Nicolás Maduro vor drei Wochen auf mehr als 20.

Besonders im Viertel El Valle kam es zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, Demonstranten legten Feuer, es bot sich ein Bild der Verwüstung. Die meisten Opfer sollen durch Stromschläge getötet worden sein, als sie in einer Bäckerei einen Kühlschrank stehlen wollten, andere starben durch Schüsse. Ein Kinderkrankenhaus musste wegen des Einsatzes von Tränengas evakuiert werden.

Die konservative Opposition ruft ihre Anhänger seit Anfang April zu Großdemonstrationen gegen Maduro auf. Die Demonstranten fordern Neuwahlen und die Absetzung des sozialistischen Präsidenten, dem sie die Vorbereitung einer Diktatur vorwerfen. Er hatte angekündigt, 500.000 Milizionäre als Antwort auf die Proteste mit Gewehren zu bewaffnen. Die Opposition beschuldigt die Regierung, Demonstranten gezielt von Milizen erschießen zu lassen. Das Militär wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise, für die die Opposition Maduro verantwortlich macht. Sie kämpft für eine Volksabstimmung zu seiner Amtsenthebung. Auslöser der seit Anfang April andauernden Proteste war die Entscheidung des obersten Gerichtshofs, das Parlament, in dem die konservativen Kräfte die Mehrheit haben, zu entmachten. Nach heftigen Protesten wurde diese Entscheidung zurückgenommen.

Angesichts dramatischer Gewaltszenen im ganzen Land rief die internationale Gemeinschaft Maduro dazu auf, die brutal agierenden Milizen abzuziehen. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro sagte, die Demokratie in Venezuela sei "tödlich verletzt".

Auf Bildern war zu sehen, wie auf Demonstranten von Motorrädern aus geschossen wurden, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden. Es gab brennende Straßenbarrikaden, Molotowcocktails flogen – die Polizei setzte Tränengas ein. Maduro bezeichnete die Demonstranten als Terroristen, erklärte sich aber zugleich zum Dialog bereit. "Es wird nie einen Bürgerkrieg in unserem Vaterland geben", sagte er.