Machtkampf im Land mit den größten Ölreserven der Welt: Bei erneuten Demonstrationen gegen eine drohende Diktatur sind in Venezuela mindestens drei Menschen getötet worden. Zehntausende hatten sich etwa in der Hauptstadt Caracas zu einer Demonstration gegen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro versammelt; die Opposition hatte zur "Mutter aller Märsche" aufgerufen. Bereits früh nach Beginn der Proteste kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten, Polizisten und Anhängern der Regierung. 400 Personen wurden den Behörden zufolge festgenommen.

Ein 17-Jähriger wurde durch eine Kugel am Kopf schwer verletzt und starb im Krankenhaus. Laut Augenzeugen feuerte ein Unbekannter von einem Motorrad aus den tödlichen Schuss ab. In San Cristóbal im Westen des Landes wurde einer 23-jährigen Frau in den Kopf geschossen. Zudem wurde ein Nationalgardist getötet, wie die Zeitung El Nacional berichtet. Die Regierung machte Demonstranten der Opposition für die Tötung verantwortlich.

Die Opposition wirft Anhängern Maduros dagegen vor, gezielt gegen Demonstranten vorzugehen. Sie fordert Neuwahlen und macht den Präsidenten für die schwere politische und ökonomische Krise verantwortlich. Auslöser der seit Anfang April andauernden Proteste war die zeitweise Entmachtung des Parlaments. Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen mindestens sieben Menschen bei den Protesten getötet.

Einige der Demonstranten verbrannten am Mittwoch in der Hauptstadt eine Maduro-Puppe. Die Menschen zogen von 26 Punkten in der Hauptstadt zum Regierungssitz ins Zentrum. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Zeitgleich fanden Gegendemonstrationen von Maduro-Anhängern statt, bei denen auch der Staatschef das Wort ergriff.

Waffen für 500.000 Milizionäre

Am Dienstagabend hatte Maduro mitgeteilt, er habe den Plan Zamora aktiviert, der militärische, politische und zivile Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Sicherheit vorsieht. Jedes der 500.000 Mitglieder der Milizen brauche ein Gewehr, um gegen eine mögliche ausländische Intervention vorzugehen, sagte Maduro.

Der frühere Generalmajor Clíver Alcalá sagte, der Plan sollte die oppositionellen Demonstranten einschüchtern. Parlamentspräsident Julio Borges sagte, es sei an der Zeit, dass sich die Armee hinter "die Verfassung und das Volk" stelle. Maduro rief zur Festnahme von Borges wegen "Aufrufs zum Staatsstreich" auf. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López sagte Maduro die "bedingungslose Loyalität" der Armee zu.

Im Parlament hat das Oppositionsbündnis Mesa de la Unidad Democrática aus konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien zwar eine deutliche Mehrheit, ist aber de facto politisch wirkungslos. Der von den Sozialisten dominierte oberste Gerichtshof hob immer wieder Parlamentsentscheidungen auf. Maduro versucht, mit Notstandsdekreten am Parlament vorbeizuregieren. Das Land steht nach 17 Jahren sozialistischer Regierung vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen.