Der linke und nationalistische französische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon liegt in einer Umfrage erstmals vor dem Konservativen François Fillon. Mélenchon käme demnach in der ersten Wahlrunde am 23. April auf 18 Prozent und läge damit auf dem dritten Platz. Die Tageszeitung Le Figaro hat die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Sofres-Onepoint veröffentlicht. Fillon, der wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre in der Kritik steht, käme demnach nur auf 17 Prozent im ersten Wahlgang.

Mélenchon gewann im Vergleich zu einer Umfrage von Mitte März sechs Punkte dazu. Auch in anderen Erhebungen hat der Linksparteigründer, der ein 100 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm plant und die EU-Verträge neu verhandeln will, zuletzt kräftig aufgeholt. Er kommt inzwischen auf doppelt so viel Stimmen wie der sozialistische Kandidat Benoît Hamon.

In der am Montag veröffentlichten Umfrage liegen weiter der parteilose Mitte-Kandidat Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen vorn. Beide kämen demnach im ersten Wahlgang am 23. April auf jeweils 24 Prozent und würden es damit in die Stichwahl am 7. Mai schaffen. Dort wäre der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister Macron klarer Favorit.

Le Pen will den Austritt aus dem Euro und dem Schengenraum sowie eine Verfassungsänderung, die Franzosen Ausländern gegenüber bevorzugt. Sollte sich Le Pen durchsetzen, würde das voraussichtlich das Ende der bisherigen deutsch-französischen Freundschaft und des Einigungsprozesses Europas bedeuten. Dass Macron in den Umfragen vorn liegt, scheint darauf hin zu deuten, dass die Mehrheit der Franzosen das nicht will. Der frühere Wirtschaftsminister wirbt mit einem proeuropäischen, liberalen Programm.

In Frankreich begann am Montag die offizielle Wahlkampfphase. Das bedeutet, dass allen elf Kandidaten in Radio und Fernsehen gleich viel Redezeit zusteht. Faktisch läuft der Wahlkampf in Frankreich schon seit Wochen.