In Serbien haben erneut Tausende Menschen gegen den Ministerpräsidenten und frisch gewählten Präsidenten Aleksandar Vučić protestiert. Studenten, unzufriedene Polizisten und Soldaten fanden sich unter dem Motto Protest gegen die Diktatur vor dem Regierungssitz in Belgrad zusammen.

Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Vučić, weil ihrer Ansicht nach die Präsidentenwahl am vergangenen Sonntag manipuliert worden war. Außerdem wird ihm Korruption vorgeworfen. Auf den Spruchbändern der Demonstranten war unter anderem "Wir hungern und die Elite freut sich" und "Vučić, du Dieb" zu lesen.

Außerdem verlangten die Protestierenden, dass die Präsidentin der serbischen Nationalversammlung, Maja Gojković, ihren Platz räumt. Ihr wird vorgeworfen, dass sie das Parlament zu Beginn des Wahlkampfs vorsätzlich geschlossen habe, um der ohnehin schwachen Opposition keine Bühne zu bieten. Die Protestierenden verlangten zudem den Rücktritt führender Journalisten.

Bereits vergangene Woche gingen Tausende auf die Straße

Bereits in der vergangenen Woche protestierten Tausende Serben, zumeist junge Menschen, gegen Aleksandar Vučić. Die Proteste wurden über Facebook organisiert und fanden nicht nur in der Hauptstadt Belgrad, sondern auch in den zweit- und drittgrößten Städten des Landes, in Novi Sad und Niš, statt.

Vučić hatte am vergangenen Sonntag bei der Präsidentschaftswahl 55 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Damit konnte sich Vučić bereits im ersten Wahlgang durchsetzen. Die übrigen zehn Kandidaten landeten weit abgeschlagen hinter ihm. Vučić soll sein neues Amt Ende Mai antreten.

Die Opposition kritisiert die Wahl angesichts von Vučićs allgegenwärtiger Präsenz in den Medien als unfair. Außerdem seien Wähler eingeschüchtert und bedroht worden. Beobachter gehen davon aus, dass Vučić nach seinem Amtsantritt im Mai einen ihm loyalen Gefolgsmann als nominellen Regierungschef einsetzen wird.