Bei der Parlamentswahl in Algerien hat die regierende Nationale Einheitsfront ihre Position als stärkste Kraft verteidigt, aber erneut Stimmen verloren. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis erreichte die Partei von Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika 164 von 462 Sitzen im Parlament.

Die bislang mitregierende Nationale Demokratische Sammlung (RND) kommt auf 97 Sitze. Drittstärkste Kraft wurde den Angaben zufolge die Partei der algerischen Muslimbrüder mit 33 Sitzen im Parlament.

Mehr als 23 Millionen Algerier waren im größten Flächenland Afrikas dazu aufgerufen, ihre Stimmen für das Unterhaus im Parlament abzugeben. Die Wahlbeteiligung gab Innenminister Noureddine Bedoui mit 38,25 Prozent an. Sie lag damit noch deutlich unter dem Niveau der vergangenen Parlamentswahlen im Jahr 2012.

Nach Angaben des Innenministeriums verlief die Abstimmung im gesamten Land ohne größere Zwischenfälle. Algerische Medien berichteten von einem Zwischenfall in der östlichen Provinz El Oued, wo es bei Ausschreitungen mehrere Verletzte gegeben haben soll.

Der Wahlkampf wurde von Bestechungsskandalen überschattet. Viele Parteien hatten Probleme, genügend Kandidatinnen aufzustellen, damit wie vom Gesetz vorgesehen 30 Prozent der Abgeordneten Frauen sind. Das Interesse an der Wahl war gering, weil viele Wähler Politikern grundsätzlich misstrauen. Eine Gruppe junger Algerier hatte im Internet zum Wahlboykott aufgerufen. Ihr auf YouTube veröffentlichtes Video wurde dort 3,9 Millionen Mal aufgerufen.

Autoritäre Herrschaft seit 1999

Bouteflika regiert das Land seit 1999 autoritär. Der 80-Jährige sitzt nach einem Schlaganfall 2013 im Rollstuhl und ist seit Jahren kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen. Immer wieder gibt es Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Erst im Februar war ein Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Bouteflika wegen einer "akuten Bronchitis" kurzfristig abgesagt worden. Im algerischen Fernsehen wurde am Donnerstag gezeigt, wie er seine Stimme abgab.

Zurzeit macht Algerien wegen gesunkener Ölpreise eine schwere Finanzkrise durch. Große Teile der Bevölkerung leiden unter Wohnungsnot, unzureichender Gesundheitsversorgung und hoher Arbeitslosigkeit. Die Hälfte der rund 40 Millionen Einwohner Algeriens ist unter 30 Jahre alt. Jeder dritte junge Mensch im Land hat keine Arbeit.