Der linke US-Demokrat Bernie Sanders hält den möglichen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen für einen "schrecklichen Fehler", der von der Mehrheit der Amerikaner jedoch nicht mitgetragen werde. "Was auch immer Präsident Donald Trump tut: Glauben Sie nicht, dass die Menschen in den Vereinigten Staaten dieser Krise den Rücken zuwenden", sagte der frühere US-Präsidentschaftsbewerber in Berlin, wo er unter Beteiligung des ZEITmagazins an der Freien Universität sein Buch Unsere Revolution. Wir brauchen eine gerechte Gesellschaft vorstellen sollte – dann aber vor mehr als 1.000 Studenten vor allem gegen Trumps Politik austeilte.

Trump soll sich laut einer Reihe von Medienberichten bereits entschieden haben, das Klimaabkommen zu kündigen, das von fast 200 Ländern unterzeichnet wurde. Offiziell bestätigt ist der Schritt noch nicht, der Präsident will sich am Donnerstag dazu äußern.

Anders als Trump glaube, sei der Klimawandel kein Schwindel, sondern eine gefährliche Realität, verursacht durch Menschen, sagte Sanders. Der Klimawandel schaffe schon jetzt massive Probleme auf der ganzen Welt. "Und wenn es ein Argument für internationale Kooperation gibt, dann ist es diese Krise des Klimawandels", mahnte Sanders. "Deutschland kann das nicht allein angehen, China kann das nicht allein angehen, die USA können es nicht." Doch egal was Trump tue: Überall im Land gebe es starke Bemühungen, von fossilen Brennstoffen loszukommen, hin zu effizienter, nachhaltiger Energie.

Berlin - "Unsere Aufgabe ist es, einander beizustehen" Bernie Sanders stellt in Berlin sein Buch "Unsere Revolution" vor. Eine Veranstaltung unter Mitwirkung des ZEITmagazins. © Foto: ZEIT ONLINE

Sanders ging auch auf das derzeit schwierige Verhältnis der USA zu Europa ein, auf die Sorgen um die transatlantische Partnerschaft: Es sei "eine Beziehung, die weitergehen muss, nicht nur zum Wohl der Völker der Vereinigten Staaten und Europas, sondern für eine größere Stabilität überall auf der Welt". Insbesondere bei der Bekämpfung des Terrorismus müssten heute alle zusammenarbeiten: "Wir sind sicherer, wenn Deutschland seine Geheimdiensterkenntnisse mit den USA teilt, wir sind sicherer, wenn Großbritannien seine Erkenntnisse mit Deutschland teilt", sagte Sanders. Kanzlerin Angela Merkel nannte er "vielleicht nicht die fortschrittlichste Person", neben Trump sehe sie aber sehr gut aus.

Dem US-Präsidenten warf Sanders einmal mehr vor, das Land mit autokratischen Tendenzen zu regieren, mit unverfrorenen Lügen und Angriffen auf die Demokratie, mit fehlendem Respekt für die Unabhängigkeit der Justiz und der Medien: "Wenn das nicht alles untergräbt, wofür Amerika steht, dann weiß ich es nicht", sagte Sanders etwa über Trumps Versuche, die Wahlentscheidung von Millionen US-Bürgern zu diskreditieren, als er behauptete, sie hätten illegal gewählt. Der Präsident versuche, die Menschen anhand von Rasse, Religion oder Herkunft zu trennen. "Der Job eines Anführers ist, die Leute zusammenzubringen, nicht sie zu spalten", sagte Sanders.

"Demokratie, das seid ihr"

Besonders heftig übte Sanders Kritik an den Budget-Entwürfen der Trump-Regierung: "Es ist der schrecklichste Haushalt, der dem Kongress jemals vorgelegt wurde", sagte er. Trump habe versprochen, auf der Seite der arbeitenden und der zurückgelassenen Amerikaner zu stehen, doch "dieses abscheuliche Dokument zeigt, wie abgehoben Trump von den Dingen ist, die für einfache Menschen Leben und Tod bedeuten können" – während das obere ein Prozent Billionen von Dollar in Steuererleichterungen bekomme. Mit seiner ganzen Politik wende sich Trump von den arbeitenden Menschen ab und helfe nur den Reichen. Dabei habe er die Wahl gewonnen, weil Millionen von Amerikanern aus der Arbeiterklasse, vor allem in ländlichen Regionen, sich durch die Globalisierung abgehängt fühlen: "Die traurige Wahrheit ist, dass man in Washington diesen Leuten nicht zugehört und ihren Schmerz nicht ernst genommen hat."

Sanders hatte sich im vergangenen Jahr für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beworben, gegen Hillary Clinton musste er am Ende aufgeben. Vor allem junge Leute begeisterten sich massenhaft für ihn: Hinter dem heute 75-Jährigen entstand eine Bewegung, die euphorisch seine Agenda unterstützte, von einer flächendeckenden Krankenversicherung über faire Mindestlöhne oder Umweltschutzmaßnahmen bis zur Abschaffung von Studiengebühren – die sich aber vor allem gegen alles Elitäre und Kapitalistische stellte. Dem Parteiestablishment war der langjährige Senator aus Vermont mit seinen für die USA sehr linken Forderungen zu extrem.

In Berlin gefragt, ob er noch einmal für das Weiße Haus antreten wolle, sagte Sanders, er habe sich noch nicht entschieden. Dem jungen Publikum gab er mit: "Steht nicht einfach daneben und lasst die Dinge passieren. Demokratie ist kein Zuschauersport – Demokratie, das seid ihr." So verstehe er auch die "Revolution" aus dem Titel seines Buchs, das in Deutschland am 2. Juni erscheint.