Zwei Brüder, die den größten Fleischkonzern der Welt (JBS) besitzen, stehen im Zentrum der neuesten Enthüllungen im brasilianischen Korruptionsskandal. Der Präsident des Landes, Michel Temer, soll Joesley und Wesley Batista darin bestärkt haben, Schweigegeld an den inhaftierten Ex-Parlamentspräsidenten Eduardo Cunha zu zahlen. Das berichten brasilianische Medien. Nun hat das oberste Bundesgericht deswegen Korruptionsermittlungen gegen Temer eingeleitet.

Ein Jahr nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff droht ihrem konservativen Amtsnachfolger damit ein ähnliches Schicksal. Die Opposition hat Temer bereits zum Rücktritt aufgefordert. Seine Koalitionspartner drohen damit, die Zusammenarbeit zu beenden. Der Präsident bestreitet die Vorwürfe und lehnt einen Rücktritt ab. "Ich habe das Schweigen von niemandem erkauft", sagte er bei einer Ansprache in Brasilia. Der konservative Politiker forderte eine rasche Untersuchung und kritisierte, dass er illegal abgehört worden sei.

Nach einem Bericht der Zeitung O Globo traf sich Temer Anfang März mit Joesley Batista. Dieser habe Temer über Schweigegeldzahlungen an Cunha informiert, der in der Affäre um den staatlichen Ölkonzern Petrobras wegen Bestechlichkeit in Haft sitzt. Batista soll nun einen heimlichen Mitschnitt seines Gesprächs mit dem Präsidenten an das oberste Gericht übergeben haben – wohl, um von einer Kronzeugenregelung zu profitieren. Mit den Aufzeichnungen lasse sich beweisen, dass Temer Batista in seinem illegalen Vorgehen bestärkt habe, berichtete O Globo auf seiner Internetseite.

Nach dem Treffen soll der Abgeordnete Rodrigo Rocha Loures, Mitglied in Temers Partei PMDB, dabei gefilmt worden sein, wie er einen Geldkoffer mit 500.000 Reais (146.000 Euro) entgegennahm. Temer soll ihn dazu beauftragt haben, das Geld stammt angeblich von Batista.

Die Vorwürfe beschränken sich nicht auf den Präsidenten: Der Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat Aécio Neves soll zwei Millionen Reais (580.000 Euro) von Batista gefordert haben, um beim Lösen der Probleme zu helfen. Neves ist Chef der Sozialdemokraten, Temers Koalitionspartner. Das oberste Gericht hat seine Immunität aufgehoben, Ermittler durchsuchten mehrere seiner Liegenschaften. Auch die Immunität des Geldboten Loures wurde aufgehoben, beiden droht nun Gefängnis.

Temer hatte vor einem Jahr Rousseff abgelöst, die wegen angeblicher Bilanztricks des Amtes enthoben worden war. Ausgerechnet Cunha hatte in Temers Auftrag das Amtsenthebungsverfahren auf den Weg gebracht; er war dann aber über Schweizer Millionenkonten gestolpert und fühlte sich von Temer im Stich gelassen. Im Herbst 2016 wurde er verhaftet.

Rousseffs linke Arbeiterpartei (PT) forderte Neuwahlen in Brasilien. Laut Umfragen könnte sich derzeit Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2010) von der PT Hoffnungen auf eine erneute Amtszeit machen – aber auch gegen ihn laufen Korruptionsermittlungen.