Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will im kommenden Jahr wieder als Präsidentschaftskandidat antreten. "Ich bereite mich darauf vor, wieder Kandidat in diesem Land zu sein, nie hatte ich mehr Lust dazu", sagte er vor Tausenden Anhängern in der südbrasilianischen Stadt Curitiba. Dort war Lula zuvor fünf Stunden lang zu Korruptionsvorwürfen gegen ihn vernommen worden.  

Der 71-Jährige sagte, die Vorwürfe seien haltlos. "Ich dachte, dass meine Ankläger Schriftstücke, Zahlungsbelege, irgendeinen Beweis vorlegen würden. Aber sie hatten nichts", sagte Lula. "Ich möchte nicht auf Basis von Interpretationen verurteilt werden." Lula sprach im Beisein der vor genau einem Jahr vom Amt suspendierten Ex-Präsidentin Dilma Rousseff. Beide wollen bei der Wahl 2018 ihrer linken Arbeiterpartei wieder zur Rückkehr an die Macht verhelfen. Ob Lula, der laut Umfragen derzeit der Favorit wäre, überhaupt antreten kann, hängt vom Ausgang der Korruptionsermittlungen ab.

Lula wird vorgeworfen, bei einer Immobilie von einem Baukonzern begünstigt worden zu sein – zudem wird ihm Rädelsführerschaft im Korruptionsskandal um Auftragsvergaben des Ölkonzerns Petrobras zur Last gelegt. Aber auch neun Minister der Regierung des neuen konservativen Präsidenten Temer sind in dem Skandal Lava Jato ("Autowäsche") im Visier der Ermittler.

Lula ist bei den Armen immer noch beliebt

Lula war von 2003 bis 2010 Präsident, ihm folgte Rousseff nach, die dann wegen angeblicher Haushaltstricksereien des Amtes enthoben wurde. Seither regiert der konservative Michel Temer das fünftgrößte Land der Welt. Bei der Bevölkerung ist er jedoch gänzlich unbeliebt: Laut Umfragen liegt die Zustimmung zu Temer bei neun Prozent. Er kämpft mit der tiefsten Rezession der Geschichte, in die das Land unter Rousseff gerutscht war. 13,5 Millionen Menschen sind derzeit arbeitslos. Temer kann deshalb auch fast nirgendwo öffentlich auftreten, da er meist beschimpft und ausgepfiffen wird. Dem einstigen Vizepräsidenten Rousseffs wird von seinen Gegnern vorgeworfen, sie durch ein Bündnis mit der Opposition aus dem Amt geputscht zu haben. 

Ganz anders der frühere Schuhputzer Lula: Er ist immer noch beliebt in den ärmeren Bevölkerungsschichten – leidet aber wie die ganze politische Klasse wegen der Korruptionsaffären unter einem großen Vertrauensverlust. Er modernisierte während seiner Amtszeit das Land, verschaffte Millionen armer Menschen ein besseres Leben. Lula profitierte dabei von hohen Öleinnahmen. Das Wirtschaftswachstum legte stark zu, vom erwachenden grünen Riesen Brasilien war die Rede.