Der brasilianische Präsident Michel Temer hat angekündigt, im laufenden Petrobras-Skandal nicht zurückzutreten. "Ich mache weiter an der Spitze dieser Regierung", sagte Temer. Außerdem forderte er, dass die Ermittlungen gegen ihn ausgesetzt werden.

In den vergangenen Tagen hatte die Zeitung O Globo Tonaufnahmen veröffentlicht, die nahelegen, dass Temer im Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras Schmiergeldzahlungen gebilligt haben könnte. Die Zeitung berichtete, dass auf den Mitschnitten Temer zu hören sei. Er soll den Unternehmer Joesley Batista dazu aufgefordert haben, Schweigegeld an potentielle Zeugen zu zahlen.

"Diese geheime Aufnahme wurde manipuliert und mit bösen Absichten verfälscht", sagte Temer. Er selbst habe keinerlei Absprachen über Schweigegeld getroffen. Wegen der aus seiner Sicht zweifelhaften Beweismittel will er den Obersten Gerichtshof um eine Suspendierung der Ermittlungen bitten. Temer ist auf den Aufnahmen, die Batista heimlich machte, nur schwer zu verstehen. Auch ist nicht geklärt, ob es überhaupt seine Stimme ist.

Zudem kritisierte Temer den Unternehmer, der auch auf der Tonbandaufnahme zu hären ist: Batista, Besitzer des weltweit größten Fleischkonzerns JBS. Dieser habe durch die Veröffentlichung der Aufzeichnung profitiert, in dem er kriminellem Insiderhandel betrieben habe, behauptete Temer. Batistas Unternehmen hätte sich mit Millionen Dollar eingedeckt, bevor durch Batistas Veröffentlichungen die Börse in Brasilien am Donnerstag abstürzte und der Real im Vergleich zum Dollar dramatisch an Wert verlor. "Er hat das perfekte Verbrechen begangen, uns Brasilianer betrogen und lebt nun in den USA", sagte Temer.

Skandal beherrscht Brasilien seit drei Jahren

Vor wenigen Tagen hatte das Oberste Gericht Ermittlungen gegen Temer wegen Behinderung der Justiz, Korruption und organisierter Kriminalität aufgenommen. Temer solle mithilfe gesetzlicher Maßnahmen die Fortschritte der Ermittlungen verhindern wollen, teilte der Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot mit.

Der Korruptionsskandal um den Ölkonzern Petrobras beherrscht die brasilianische Politik und Wirtschaft seit drei Jahren. Dutzende Politiker und Spitzenunternehmer landeten wegen der Annahme und Weitergabe von Schmiergeldzahlungen bereits im Gefängnis. Gegen viele weitere wird noch ermittelt. Politiker, Demonstranten und auch die größte Zeitung des Landes forderten Temers Rücktritt.