Der Militärische Abschirmdienst (MAD) will ein Frühwarnsystem zur Identifizierung von Rechtsextremen in der Bundeswehr einführen. Nach der Entdeckung einer rechtsextremen Zelle um den Oberleutnant Franco A. müsse der Geheimdienst "insbesondere mehr in der Prävention tun", sagte MAD-Präsident Christof Gramm dem Spiegel.

Gegenwärtig werden deutschlandweit Gebäude der Bundeswehr durchsucht, nachdem bekannt geworden war, dass A. mehrere Identitäten besaß und als falscher Flüchtling mutmaßlich einen Anschlag plante. Franco A. und sein mutmaßlicher Komplize Maximilian T. haben an der Münchener Bundeswehr-Uni in Neubiberg studiert. Dort soll ein rechtes Netzwerk bestehen, das auch Kontakte zur rechtsextremen Identitären Bewegung hat.

Um Soldaten und Kommandeure für das Thema zu sensibilisieren, will der MAD künftig besser darüber aufklären, wie man schon den Beginn einer Radikalisierung erkenne. Konkret will der Geheimdienst der Truppe dazu einen Kriterienkatalog liefern. "Niemand wird als Extremist geboren, es ist immer ein Prozess", sagte Gramm. "Wir als MAD müssen der Truppe helfen, die Anfänge dieser Prozesse besser zu erkennen."

Zugleich warnte Gramm davor, sich nach den aktuellen Festnahmen "der Illusion eines Einzelfalls" hinzugeben. "Der Fall Franco A. gibt Anlass zur Sorge, dass ein Dunkelfeld besteht, das wir bisher nicht entdeckt haben." Derzeit bekomme der Dienst "eine ganze Fülle von Meldungen", in der Truppe habe es nach der Entdeckung der rechten Zelle offensichtlich einen "Sensibilitätsschub" gegeben. "Deswegen werden wir genau prüfen, ob wir in der Vergangenheit etwas übersehen haben."

Die im Sommer beginnenden Sicherheitsüberprüfungen für neue Rekruten bei der Bundeswehr sollte man laut Gramm nicht überschätzen. Eine solche Überprüfung der Stufe eins hätte den Fall des Franco A. auch nicht verhindern können. A., der "keinerlei Vorstrafen hatte, wäre allein durch eine solche Überprüfung vermutlich nicht aufgefallen".

Diebstahl in Munster-Kaserne

Der mutmaßliche Komplize Maximilian T. soll über ein soziales Netzwerk außerdem Kontakt zu einem Münchener Student gehabt haben, der dem MAD schon früher aufgefallen war. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parlamentskreisen erfuhr, soll sich dieser Student am Bundeswehr-Standort Munster aufgehalten haben, als dort im vergangenen Februar Schusswaffen und Munition aus einem Panzer gestohlen wurden. Den Angaben zufolge geht der MAD Hinweisen auf ein Telefonat zwischen ihm und Franco A. nach.

Insgesamt überprüft der MAD nach Informationen der Süddeutschen Zeitung derzeit 284 Rechtsextremismus-Fälle in der Bundeswehr. Unter diesen sollen sich elf Studenten befinden. Sie sollen neben den Identitären auch Kontakt zur Burschenschaft Danubia gepflegt haben. Im Verfassungsschutzbericht Bayerns von 2015 wird diese Burschenschaft wegen Verbindungen zur rechtsextremen Szene erwähnt. Die Nachforschungen des MAD zu allen elf Soldaten hatten bereits vor der Festnahme von Franco A. begonnen.