Nach dem Eklat um den Besuch von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Israel bemüht sich ein deutsch-israelisches Abgeordnetenduo um eine Wiederannäherung beider Staaten. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu werben Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) und der Knesset-Abgeordnete und Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Nachman Shai, von der oppositionellen Arbeitspartei für die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft für Deutsche und Israelis.  

Die Freundschaft zwischen den Menschen in Deutschland und Israel dürfe "keinen dauerhaften Schaden" nehmen, warnen Beck und Shai in dem Schreiben, das ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt. Es gehe darum, "das zerschlagene Porzellan in den deutsch-israelischen Beziehungen" mit "konkreten Kooperationsprojekten" zu kitten. "Hier sind beide Regierungen dazu aufgefordert, aufeinander zuzugehen", schreiben Beck und Shai.

In der vergangenen Woche hatte Netanjahu kurzfristig ein Treffen mit Gabriel abgesagt, nachdem dieser sich in Israel mit den regierungskritischen NGOs B'Tselem und Breaking the Silence getroffen hatte. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte daraufhin, es müsse möglich sein, "in einem demokratischen Land auch kritische Nichtregierungsorganisationen zu treffen, ohne dass das solche Folgen hat". Auch wenn Merkel es als bedauerlich ansehe, dass es nicht zu diesem Treffen kam, ändere dies "nichts an der überragenden Bedeutung unseres Verhältnisses zu Israel". Gabriel bemühte sich ebenfalls um Deeskalation: Die Absage sei keine Katastrophe. Sein Verhältnis zu Israel werde sich dadurch in keiner Weise ändern.

Beck und Shai sprechen sich nun für eine Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts aus, um die "freundschaftlichen, persönlichen und damit auch gesellschaftlichen Bande zwischen Israel und Deutschland" zu stärken. Den Angaben zufolge müssen Israelis ohne biografischen Bezug zu Deutschland bislang bei einer Einbürgerung ihre israelische Staatsangehörigkeit aufgeben. Das Gleiche gilt demnach umgekehrt für nicht-jüdische Einwanderer nach Israel. Einen Anspruch auf eine doppelte Staatsbürgerschaft haben in Deutschland etwa die Bürger aller EU-Staaten sowie der Schweiz. Die Möglichkeit auf Mehrstaatlichkeit würde die "besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel unterstreichen", heißt es in dem Brief.