Selbst die Öl-Konzerne in den USA waren am Ende nicht mehr auf der Seite von Donald Trump. Ein Verbleib im Pariser Klimaabkommen sei "klug", schrieb Darren Woods, Chef des weltgrößten Erdölkonzerns Exxon Mobil vor einigen Wochen in einem offenen Brief an den US-Präsidenten. Die Vereinbarung garantiere, dass die USA auch in Zukunft einen Platz am Verhandlungstisch hätten und "alle Energiequellen und -technologien fair behandelt werden, in einem offenen, transparenten und globalen Markt". Seine Amtskollegen von Shell, Chevron und BP schlossen sich Woods an. "Wir glauben, dass der Klimawandel echt ist", so Shell-Chef Ben van Beurden. "Wir müssen Teil der Lösung sein."

Doch selbst die drängenden Bitten der Energiewirtschaft scheinen ungehört zu bleiben. Mehrere US-Medien berichteten mit Verweis auf Quellen aus dem Weißen Haus, der Präsident habe sich für einen Austritt aus dem internationalen Abkommen entschieden, das von 195 Ländern unterschrieben wurde. Ein Ausstiegsszenario soll derzeit erarbeitet werden. Trump selbst ließ die Welt über Twitter wissen, er werde seine Entscheidung am Donnerstag verkünden. 

Das Kalkül, sollte Trump sein Wahlversprechen wahr machen, ist simpel: Der Präsident argumentiert, der Verbleib in dem Abkommen belaste die amerikanische Wirtschaft, unterwandere seine America-First-Maßgabe und verhindere die Schaffung von Arbeitsplätzen in Öl- und Kohleregionen wie Kentucky, Oklahoma oder Wyoming. Dort hatte Trump im Wahlkampf viele Arbeiter mit seinem Versprechen überzeugt, ihre Jobs zurückzuholen.

Außerhalb der Hochburgen der alten Industrien sucht man allerdings weitgehend vergeblich nach Stimmen, die sich für einen Ausstieg aus dem Abkommen und eine isolationistische Haltung Amerikas im Umgang mit dem Klimawandel stark machen. Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner glaubt heute an den Klimawandel. 69 Prozent sind einer Umfrage der Yale-Universität zufolge dafür, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. Die USA sind der zweitgrößte CO2-Produzent. Selbst im vormals ölreichen Texas sind 57 Prozent der Einwohner zumindest "etwas besorgt" über die globale Erwärmung. Wie groß die Bewegung ist, zeigte sich erst Ende April, als allein in Washington 200.000 Menschen für Klimaschutz und Wissenschaft auf die Straßen gingen.

Elon Musk droht mit Ausstieg aus Trumps Beratergremium

Auch Experten verweisen regelmäßig darauf, dass an dem Einbruch der Kohlebranche nicht die Regulierungen aus Washington schuld seien, sondern vor allem günstigere Alternativen wie Erdgas und die zunehmende Automatisierung von Arbeitsprozessen. Der Kohleverbrauch ist mit rund 739 Millionen Tonnen auf dem niedrigsten Stand seit fast vier Jahrzehnten, seit 2012 meldeten 50 Betreiber Konkurs an, auch die Zahl der Bergbauarbeiter ist mit 65.000 auf einem Tiefstand. Seit Jahren werden die Überschüsse an Länder wie China verkauft, weil die Nachfrage auf dem Heimatmarkt nach der teuren und schmutzigen Energie sinkt.

Selbst traditionelle Öl-Staaten wie Oklahoma und Texas – das inzwischen führend in der Windkraft ist – investieren inzwischen Milliarden in den Ausbau von Windkraft und Solar. 2015 machten erneuerbare Energien 64 Prozent aller neu gebauten Infrastruktur der Branche aus, allein die Windkraft legte 2015 um zwölf Prozent zu, während die Solarenergie um 36 Prozent wuchs. Heute liegt der Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtmarkt bei knapp 14 Prozent.

Auch das Silicon Valley hat erneuerbare Energien als Wachstumschance entdeckt: Google bietet Nutzern inzwischen eine einfache Möglichkeit, potenzielle Einsparungen durch Solarenergie anhand der Adresse zu berechnen. Der Autobauer Tesla begann Mitte Mai damit, Bestellungen für seine Solarpanel entgegenzunehmen, im Juni sollen die ersten Panel installiert werden. Dessen Chef Elon Musk drohte im Übrigen damit, aus einem Beratergremium des US-Präsidialamtes auszuscheiden, sollte Trump aus dem Klimavertrag aussteigen.