Innerhalb des FBI, das in den USA zugleich als Strafermittlungsbehörde und Inlandsgeheimdienst agiert, wächst die Kritik an US-Präsident Donald Trump, der streng vertrauliche Geheimdienstinformationen an Russland weitergegeben haben soll. Im Interview mit der ZEIT bezeichnete Ex-FBI-Mitarbeiter Ron Hosko das Verhalten von Trump als ein "Zeichen von Disziplinlosigkeit und falschem Urteilsvermögen". Hosko hatte 24 Jahre für die Bundespolizei gearbeitet und war am Ende seiner Karriere stellvertretender Direktor der Abteilung für Strafermittlungen.

Am Montag hatten zunächst die Washington Post und die New York Times berichtet, dass Trump streng vertrauliche Informationen über die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem russischen Botschafter in den USA geteilt haben soll. Das Weiße Haus dementierte diese Berichte zunächst, später twitterte der Präsident, dass er "absolut das Recht" dazu gehabt habe und dies aus "humanitären Gründen" getan habe.

Auch ZEIT-Gesprächspartner Hosko vermutet, dass Trump die Informationen weitergeleitet habe, um das schwierige Verhältnis zu Russland zu verbessern. Inzwischen bleibt aber vor allem das anfangs gute Verhältnis von Donald Trump zum FBI auf der Strecke. Viele Beamte und Agenten hätten den Republikaner gewählt, aber: "Trump hat das aufs Spiel gesetzt", sagte Hosko der ZEIT. "Meine Kollegen fragen sich jetzt verständlicherweise: Welches Ausmaß hat dieser Russlandfall? Will Trump etwas verbergen?"

Ermittlungen wegen Russland - Trump soll Comey unter Druck gesetzt haben US-Präsident Donald Trump soll mehreren Medienberichten zufolge versucht haben, die Ermittlungen des FBI gegen sein Team zu verhindern. Ex-FBI-Chef James Comey habe es so notiert. © Foto: Andrew Harrer-Pool/Getty Images

In dem Interview kritisiert der frühere ranghohe FBI-Agent vor allem die Entlassung des FBI-Chefs James Comey durch Trump. Dies sei "absolut unwürdig und unerhört", sagte Hosko. Der Präsident habe mit dem Rauswurf gezeigt, "wie wenig Ahnung er von der in der Verfassung festgeschriebenen Gewaltenteilung hat und wie wenig Respekt vor dem FBI". Trump habe Comey "vor dem ganzen Land" beleidigt.

Vergangene Woche hatte der Präsident Comey fristlos entlassen und sich damit dem Vorwurf der Vertuschung ausgesetzt. Kritiker werfen Trump vor, dass er bereits mit diesem Schritt weitere Ermittlungen des FBI gegen sein Team wegen möglicher kompromittierender Kontakte nach Russland beeinflussen wollte. "Er hat einfach keinen guten Job gemacht", sagte Trump selbst zu Comeys Entlassung und bezeichnete ihn als "Blender" und "Angeber". Drei Tage später twitterte er: "James Comey sollte hoffen, dass es keine Aufnahmen unserer Gespräche gibt, bevor er beginnt, Inhalte an die Presse zu leaken!" Zuletzt wurde berichtet, Trump habe Comey aufgefordert, die Untersuchungen gegen sein Team einzustellen.