Im Fall des von ihm entlassenen FBI-Direktor James Comey hat US-Präsident Donald Trump seine Angriffe und Drohungen gegen den früheren Chef der Bundespolizei verschärft. Trump warnte Comey, mit internen Informationen an die Medien zu gehen. Bevor er dies tue, twitterte der Präsident, solle der frühere FBI-Chef "besser hoffen, dass es keine 'Aufzeichnungen' von unseren Gesprächen gibt".

Die Formulierung legte nahe, dass Trump seine Gespräche mit Comey geheim aufgezeichnet haben könnte. Das hatte seinerzeit auch Präsident Richard Nixon getan, als gegen ihn wegen der Watergate-Affäre ermittelt wurde. US-Medien interpretierten den Tweet des Präsidenten dagegen so, dass Trump offensichtlich Angst vor etwaigen Informationen Comeys habe.

Trumps Sprecher Sean Spicer wollte nicht sagen, ob Aufnahmegeräte im Weißen Haus angebracht wurden. "Der Präsident hat dazu nichts weiteres hinzuzufügen", sagte Spicer auf die Frage nach einem Abhörsystem. Zu Trumps Tweet sagte er, dieser sei "keine Drohung" gegen Comey, nicht mit der Presse zu sprechen.

Der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, Adam Schiff, forderte den Präsidenten auf, dem Kongress Aufnahmen zu übergeben, sollte es diese von seinen Unterhaltungen mit Comey geben. 

In einem Interview mit dem Sender NBC News hatte Trump tags zuvor gesagt, er habe drei Mal mit Comey gesprochen. Dabei habe ihm der FBI-Chef jedes Mal versichert, dass gegen ihn nicht ermittelt werde. Das FBI untersucht mögliche Kontakte des Trump-Wahlkampfteams nach Russland. Kritiker werfen Trump vor, mit der Entlassung Comeys die Untersuchung torpedieren zu wollen.  

Verlangte Trump ein Loyalitätsbekenntnis von Comey?

Die New York Times zitierte zwei Comey-Vertraute, denen zufolge der Präsident den FBI-Direktor bei einem Essen im Januar um ein Loyalitätsbekenntnis gebeten haben soll. Comey habe dies verweigert und Trump stattdessen "Ehrlichkeit" angeboten. Als Trump dann "ehrliche Loyalität" gefordert habe, habe Comey geantwortet: "Die werden Sie haben." Spicer wies jedoch zurück, dass Trump Comey um ein Loyalitätsgelöbnis gebeten habe. Der Präsident wolle lediglich "Loyalität zu diesem Land und zur Rechtsstaatlichkeit", sagte er.

Trump selbst hatte in dem Interview einen Zusammenhang zwischen dem Rauswurf des FBI-Direktors und den Ermittlungen zu möglichen Verbindungen seines Wahlkampfteams zu Russland hergestellt – und damit auch Erklärungen aus dem Weißen Haus zu den Umständen von Comeys Entlassung konterkariert. "Als ich mich entschloss, es zu tun, habe ich mir gesagt, diese Sache mit Trump und Russland ist eine erfundene Geschichte", sagte Trump und nannte Comey einen "Angeber" und "Wichtigtuer".

Mit seinen Äußerungen widersprach Trump der offiziellen Version des Weißen Hauses, wonach Trump mit Comeys Entlassung einer Empfehlung der Spitze des Justizministeriums gefolgt sei, das den Umgang des FBI-Chefs mit der E-Mail-Affäre Clintons gerügt hatte. Trump hatte am Donnerstag gesagt, er habe die Entlassung Comeys bereits länger ins Auge gefasst und den Schritt unabhängig von Empfehlungen seiner Minister geplant.

Trump stellt Pressekonferenzen infrage

Nach Berichten der New York Times, der Washington Post sowie von Politico herrscht Chaos im Weißen Haus wegen der unterschiedlichen Angaben zu Comeys Entlassung. Trumps Berater versuchten, ihre Geschichten aufeinander abzustimmen und den wütenden Präsidenten zu beschwichtigen, schrieben die Medien.

Wegen der widersprüchlichen Angaben seiner Sprecher schlug Trump vor, die tägliche Pressekonferenz abzuschaffen. Stattdessen, schreibt Trump auf Twitter, wäre es womöglich das Beste, die Entscheidungen und Positionen des Weißen Hauses in schriftlichen Stellungnahmen zu erklären. Er sei ein sehr aktiver Präsident, twitterte Trump. Es geschähen viele Dinge. Da sei es seinen Stellvertretern nicht möglich, "mit perfekter Präzision auf dem Podium zu stehen".