Für den Präsidenten war das Treffen mit seinem kolumbianischen Amtskollegen Juan Manuel Santos ein willkommener Moment, in einer Woche von immer neuen Enthüllungen Normalität zu demonstrieren. Vor laufenden Kameras sprach Donald Trump vom gemeinsamen Kampf gegen den Drogenhandel, von seinen Erfolgen an der Grenze zu Mexiko – die Zahlen der illegalen Überquerungen seien so gering wie lange nicht – und der guten Entwicklung in Regionen wie Michigan oder Ohio. Ein bisschen erinnerte seine Themenpalette an den Wahlkampf, wäre da nicht die Frustration, die in den Worten Trumps mitzuschwingen schien.

Der Eindruck vermeintlicher politischer Routine verflog aber gleich mit der ersten Frage in der Pressekonferenz, die den Präsidenten zurück auf den Boden der politischen Realität Washingtons brachte: Ob die Ernennung eines Sonderermittlers tatsächlich einer "Hexenjagd" gleich komme, wie es Trump auf Twitter behauptet habe. Der Präsident antwortete, er respektiere zwar die Entscheidung des Vize-Justizministers, einen Sonderermittler einzusetzen. "Aber die ganze Sache ist eine Hexenjagd", wiederholte er. Es habe keinerlei Zusammenarbeit mit Moskau gegeben, so Trump. Es sei an der Zeit, die Untersuchungen hinter sich zu lassen. "Wir müssen uns wieder um unser Land kümmern." Probleme gebe es schließlich reichlich.

Dass Trumps Wunsch in naher Zukunft in Erfüllung geht, ist allerdings unwahrscheinlich. Die Untersuchungen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams haben gerade erst begonnen. Entsprechend musste Trump während der Pressekonferenz auch die Frage zum heiklen Bericht beantworten, er habe FBI-Direktor Comey gedrängt, Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. "Nein", so die knappe, genervte Antwort des Präsidenten – nächste Frage.

Neue Glaubwürdigkeit

Nur wenige Kilometer entfernt interessierte sich am Donnerstag schon niemand mehr für das Geschehen im Weißen Haus. Auf dem Hügel des Kapitols bemühten sich Journalisten, die Senatoren abzufangen, die gerade den großen Saal im Besucherzentrum verließen. Dort drinnen hatte Rod Rosenstein, die Nummer Zwei im Justizministerium, gerade dem versammelten Senat Auskunft gegeben über seine Rolle bei der spektakulären Entlassung von FBI-Direktor James Comey.

Allzu viel drang nicht heraus aus dem Innern des unterirdisch gelegenen Raums, der als einer der am besten abgesicherten Orte des Kapitols gilt und in dem sonst vor allem Geheimdienstinformationen ausgetauscht werden. Rosenstein sei "sehr vorsichtig" gewesen, nicht zu sehr ins Detail zu gehen, um dem frisch ernannten Sonderermittler Robert Mueller die Chance zu geben, über die nächsten Schritte unbefangen entscheiden zu können, sagte der demokratische Senator Richard Durbin.

Mit der Ernennung von Mueller hat Rosenstein nicht nur den Ermittlungen rund um die Russland-Affäre neue Glaubwürdigkeit verschafft. Rechtzeitig vor der unangenehmen Fragerunde im Senat hat der stellvertretende Justizminister auch die eigene Position in Washington gestärkt. Medien nannten die Ernennung Muellers einen geschickten PR-Schachzug.