Der stellvertretende US-Justizminister Rod Rosenstein hat recht: Ex-FBI-Direktor James Comey hat in der E-Mail-Affäre gravierende Fehler begangen, er hat damit Hillary Clintons Wahlkampf zumindest geschadet und so das Vertrauen in seine Amtsführung zerstört. Der Chef der Bundespolizei war daher im Grunde nicht mehr zu halten.

Doch dass ihn Donald Trump gerade jetzt entließ, hat mehr als nur ein Geschmäckle. Denn Comey ermittelt derzeit auch gegen ehemalige Mitarbeiter Trumps wegen des Verdachts illegaler Russland-Kontakte und wegen der offenbar aus Russland gesteuerten Cyberangriffe auf Clinton und ihre Demokratische Partei.

Unabhängig davon, ob Trump irgendetwas davon wusste – die Russland-Ermittlungen des FBI dürften ihn gestört haben. Denn sie werfen einen Schatten auf seine Wahl und geben allen Auftrieb, die Trump für einen illegitimen Präsidenten halten. Nichts trifft Trump mehr als der Vorwurf, er sei gar nicht von der Mehrheit der US-Wähler gewollt und habe sich nur mithilfe der Russen und schmutziger Intrigen ins Amt geschummelt.

Ein ahnungsloser, unberechenbarer Narzisst

Darum schlägt Trump im Fall Comey wahllos um sich, darum behauptet er immer noch stur und steif, seiner Amtseinführung hätten in Washington mehr Menschen als seinerzeit Obama zugejubelt. Und darum hat Trump eine Kommission eingesetzt, die belegen soll, dass Clintons Vorsprung von drei Millionen Wählerstimmen auf Fälschungen beruhte.

Seit rund hundert Tagen nun regiert Donald Trump im Weißen Haus. Und was bereits den Wahlkämpfer Trump ausmachte, charakterisiert auch den 45. Präsidenten: Er ist vor allem ein Narzisst – und obendrein ahnungslos und unberechenbar.

Diese drei Eigenschaften sind eine gefährliche Kombination. Denn auch wenn man zwischendurch denkt, alles sei halb so wild, Trump hat doch einige vernünftige Berater, die ihn mäßigen: Er bleibt eine tickende Zeitbombe oder wie die Amerikaner sagen würden, a loose cannon.

Politisch unerfahren – und uninteressiert

Mit knapp 71 Jahren ist Trump nicht nur der älteste Amerikaner, der jemals ins Weiße Haus gewählt wurde. Er ist zugleich der politisch unerfahrenste. Nie zuvor hat er ein öffentliches Amt bekleidet und diente auch nie im Militär. Er führte ein Immobilienimperium, das mehrmals beinahe bankrott war.

Trump ist im Vergleich auch der Präsident mit dem geringsten politischen Wissen. Er hegt eine geradezu kindliche Einstellung zu seinem Amt. So klagte er jüngst über die viele Arbeit und wie schwer es sei, seinen Willen als Präsident um- und durchzusetzen. Als habe er nie etwas von den Mühlen der Politik gehört und dass Amerika keine Autokratie ist, sondern eine Demokratie, in der Gewaltenteilung herrscht.

Seine völlige Ahnungslosigkeit und mangelnde Erfahrung wären noch zu verschmerzen, wenn er denn wissbegierig wäre und sich tatsächlich für Politik interessierte. Doch er liest nicht und studiert kaum Akten. Seine Aufmerksamkeitsspanne soll sehr kurz sein, am liebsten sitzt er vorm Fernseher und schaut, wie er und seine Leute medial rüberkommen.

Auch das wäre nicht so schlimm, wenn Trump das politische Geschäft jenen Ministern und Beratern überließe, die etwas davon verstehen und vernünftig sind. In dieser Hinsicht muss man ihm zugestehen, dass er nicht nur Ideologen und politisch unbedarfte Familienmitglieder in seiner Regierung beschäftigt, sondern auch eine Riege erfahrener und rational denkender Menschen.

Dass der Präsident die Nato nicht mehr für überflüssig hält. Dass er die Chinesen nicht mehr pausenlos attackiert. Dass er begriffen hat, dass es vorteilhafter für Amerika ist, mit der EU als mit 28 beziehungsweise 27 Einzelstaaten zu verhandeln. Dass er, anders als im Wahlkampf verkündet, Amerika nicht aus den Weltkonflikten heraushält. All das ist in erster Linie seinem Verteidigungs-, seinem Außenminister und seinem Nationalen Sicherheitsberater zu verdanken.