Alles, was man dieser Tage über Donald Trump schreibt, steht unter dem Vorbehalt einer neuen per Twitter oder sonstiger Kurzschlusshandlung verursachten Eruption. Seit seinem Amtsantritt rast der US-Präsident als virtueller Querschläger durch die Welt. Jetzt aber betritt er zum ersten Mal in seiner Amtszeit leibhaftig fremden Boden.

Die Reise war als medialer Befreiungsschlag geplant. Erster Stopp ist am Freitag Riad inklusive Treffen mit dem König, Lunch mit über 50 Staatschefs und Regierungsvertretern islamischer Nationen und einer Rede an die Muslime. Von dort geht es weiter nach Jerusalem, der Stadt, die sich Juden, Christen und Muslime teilen, dann in den Vatikan zum Papst und schließlich zur Nato und zum G8-Gipfel. Trumps Berater hatten gehofft, mit einigen staatsmännischen Auftritten und dem Glanz dreier Weltreligionen die miserable innenpolitische Bilanz aufhellen zu können.

Dann feuerte ihr Präsident FBI-Chef Comey und plauderte in einem Treffen mit Russlands Außenminister Lawrow geheimdienstliche Informationen aus möglicherweise israelischen Quellen aus. Washington ist seither in Aufruhr. Der saudische König Salman empfängt am Freitag also einen US-Präsidenten, der sich innenpolitisch im Selbstzerstörungsmodus befindet, was ihn außenpolitisch noch unberechenbarer macht.

Nicht, dass seine Nahost-Politik bislang kohärent gewesen wäre. Innerhalb seiner ersten vier Amtsmonate hat Trump politisch skandalöse und juristisch unhaltbare Einreiseverbote gegen Bürger muslimischer Länder erlassen und will nun in Riad den Vorkämpfer gegen "Intoleranz" geben. Er hofiert unverdrossen dem Autokraten und Totengräber der ägyptischen Wirtschaft, Abdel Fattah al Sisi, bombardierte unlängst mehr aus einer Laune als aus strategischen Erwägungen dessen Verbündeten in Syrien Baschar al Assad, und erklärt Russland mal zum Partner, dann wieder zum Gegner in Syrien. Seine absolute Loyalität zur israelischen Rechten hat er vor Kurzem gegen ein neu entdecktes Herz(chen) für Palästinenser ausgetauscht. 

Kollisionskurs mit dem Iran

Wie gehen die Herrscher der Region mit diesem US-Präsidenten um? Die meisten, allen voran Trumps erster Gastgeber, erstaunlich gelassen. Jedenfalls, solange die drei erkennbaren Regeln Trump’scher Nahostpolitik gesetzt bleiben.

Nummer eins: Der war on terror bleibt zeitlich und räumlich unbegrenzt.

Nummer zwei: Der Iran bleibt auf der Achse des Bösen.

Nummer drei: Was gut ist fürs Geschäft, ist zwangsläufig gute Politik.

Beginnen wir mit Letzterem. China und die EU fürchten unter Trumps America-first-Parole Handelsbeschränkungen für ihre Produkte, reiche arabische Staaten wie Saudi-Arabien wittern neue Deals. Dass das Königreich am Golf ebenso wie seine kleinen Öl-Nachbarn zu den treuen Kunden der amerikanischen Rüstungsindustrie gehört, ist nicht neu. Passend zu seinem Besuch in Riad liegen offenbar Waffenverkäufe an das saudische Militär in Höhe von 100 Milliarden Dollar zur Unterschrift vor, wobei einige Teile dieses Pakets bereits unter Obama genehmigt wurden. Aber in Trumps Plänen für einen Boom des US-Produktionssektors spielt die Waffenindustrie eine wichtige Rolle. Da kommt eine Aufrüstungsspirale in der arabischen Welt genau richtig.  

Saudi-Arabien will aber nicht nur kaufen. Anfang Mai hatte der saudische Bauminister Washington besucht, um auszuloten wo und in welchem Umfang Investoren aus dem Königreich ihr Geld in die riesigen Infrastrukturprojekte stecken können, mit denen Trump "Amerika wieder groß" machen möchte.

Am meisten schätzt man den US-Präsidenten in Riad jedoch für dessen Kollisionskurs mit dem Iran. Womit man bei Regel zwei wäre. Zu zerstören, was Obama aufgebaut hat, ist ein treibendes Motiv Donald Trumps. Das Nuklear-Abkommen mit Teheran ist Obamas größtes außenpolitisches Erbe und folglich ganz oben auf der Schredder-Liste seines Nachfolgers.