Emmanuel Macron ist neuer Präsident von Frankreich. Er übernahm am Sonntag die Amtsgeschäfte von François Hollande, der ihn im Élysée-Palast empfing. Er sei angetreten, um die innere Zerrissenheit Frankreichs zu beenden und die internationale Rolle des Landes zu stärken, sagte der 39-Jährige in seiner Antrittsrede. Er wolle den Franzosen Selbstvertrauen und die "Lust auf die Zukunft" wiedergeben. "Die Spaltung und die Brüche in unserer Gesellschaft müssen überwunden werden." Er kündigte zudem an, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren und auch in Europa für Reformen einzutreten: Die Europäische Union müsse wirksamer und demokratischer werden. "Die Welt und Europa brauchen Frankreich mehr denn je, ein starkes Frankreich, das seine Stimme für Freiheit und Solidarität laut erhebt", sagte der neue Staatschef.

Für Macron beginnt die Amtszeit mit den alten Ritualen der Republik. Denn wer in Frankreich Staatschef wird, den begrüßt das Protokoll fast wie einen Monarchen. Nach militärischen Ehren im Park hinter dem Palast und 21 Kanonenschüssen vor dem Invalidendom auf der anderen Seite der Seine steht ab Mittag eine Fahrt über die Pariser Champs-Élysées auf dem Programm, begleitet von einer Motorrad- und Reitereskorte der Republikanischen Garde.

Die erste große Entscheidung des neuen Präsidenten soll spätestens am Montag bekannt werden, wenn Macron auch nach Berlin reisen wird, um Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen. Bis dahin rechnen Medien und Politik in Frankreich mit der Benennung des neuen Premierministers.

Mit der Amtseinführung übernimmt Macron auch das Kommando über die französische Armee und die force de frappe, die Atombomben. Das Land gilt mit seinen geschätzt rund 300 nuklearen Sprengköpfen als drittgrößte Atommacht der Welt. Mehrere Tausend Soldaten sind im Ausland gegen Terrorgruppen in der Sahelzone sowie gegen die Organisation "Islamischer Staat" im Irak und in Syrien im Einsatz.

Macrons Gegner bringen sich in Position

Macron ist mit 39 Jahren Frankreichs jüngster Präsident und der erste, der noch ohne Partei im Parlament vertreten ist. Am 11. und 18. Juni wird die Nationalversammlung gewählt. Bei den Wahlen wird entscheidend sein, wie viele Stimmen Macrons Bewegung erhält. Gerade hat der neue Präsident seine Kandidaten vorgestellt, unter ihnen viele Frauen und Menschen ohne Politikerfahrung, die das ganze politische Spektrum abdecken sollen.

Der Präsident benötigt eine Mehrheit oder zumindest die stärkste Fraktion in der Nationalversammlung, ansonsten wird es schwierig für ihn werden. Seit Tagen wird spekuliert, ob Macron einen gemäßigten Konservativen als Regierungschef verpflichten wird, was die bürgerliche Rechte bei den Parlamentswahlen schwächen könnte.

Macrons Gegner bringen sich bereits in Position. Allen voran die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon, der Macrons Reformpläne unter Verweis auf die sozialen Auswirkungen kritisiert.

Von diesem Sonntag an zählt es für Macron. Und er dürfte hoffen, dass von der Zeremonie bessere Bilder bleiben werden als bei seinem Vorgänger 2012: Bei Hollande saß die Krawatte schief, nach der Fahrt durch den strömenden Regen kam der neue Präsident klatschnass am Triumphbogen an – und dann wurde sein Flugzeug auf dem Weg nach Berlin auch noch vom Blitz getroffen.