Emmanuel Macron ist ein Newcomer: Seine Bewegung ist nur ein Jahr alt, deren Mitglieder sind politische Neulinge. Am Sonntag hat er trotzdem die Stichwahl gegen Marine Le Pen gewonnen. Macron bekam 66,1 Prozent der Stimmen, Le Pen lediglich 33,9 Prozent. Was will er als jüngster Präsident Frankreichs als erstes umsetzen? Und schafft er das? Fünf Projekte des Neuen an der Spitze Frankreichs:

1. Mehr Moral in die Politik bringen

Seine Konkurrenten sind in dieser Wahl über Korruptionsskandale gestolpert – wie Scheinbeschäftigung von Verwandten und Vetternwirtschaft. Emmanuel Macron will nun wieder mehr Anstand in die Politik bringen. Er plant ein Gesetz über die Moralisation de la vie politique, also über die Moral im politischen Leben. So soll es Parlamentariern verboten werden, Familienmitglieder zu beschäftigen. Außerdem soll jeder Politiker angeben, mit welchen Institutionen, Firmen oder Vereinen er oder sie verbunden ist, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Nebenjobs als Berater oder Coach sollen grundsätzlich nicht mehr erlaubt sein.

Wie groß sind seine Chancen? 

Wahrscheinlich ist dieses Vorhaben das unstrittigste seines gesamten Programms. Die Skandale des konservativen Kandidaten François Fillon haben über Wochen die politische Debatte in Frankreich bestimmt. Alle Parteien sehen sich nun genötigt, reinen Tisch zu machen und Privilegien in der Politik abzubauen. Dieses Gesetz wird kommen.

2. Den Bürgern Fehler verzeihen

Als zweites möchte der 39-Jährige eine originelle Idee umsetzen: Alle Bürger Frankreichs sollen das Recht bekommen, Fehler zu machen, wenn sie mit der französischen Verwaltung zu tun haben. Ganz konkret: Wird eine ausstehende Zahlung einmal vergessen oder werden falsche Angaben gemacht, soll der Bürger nicht sofort mit Sanktionen rechnen müssen. Jeder soll eine zweite Chance erhalten – beim zweiten Verweis allerdings verstehen die Behörden auch weiterhin keinen Spaß: dann folgen Bußgelder und Verwarnungen.

Künftig sollen die Behörden den Franzosen mehr helfen und sie besser beraten. "Ich möchte einen Staat, der unsere Bürger begleitet, und nicht einen, der ständig sanktioniert und bestraft", sagt Macron. Nur für strafrechtliche Verfahren oder für solche, die die Sicherheit des Landes beeinträchtigen können, sollen die bestehenden Regeln und Strafen beibehalten werden.

Wie groß sind seine Chancen?

Die Bürokratie und ihre Auswüchse sind in Frankreich schon lange ein großes Thema. Prinzipiell dürften alle Parteien seinen Vorstoß begrüßen. Allerdings verstecken sich hinter "der Verwaltung" so unterschiedliche Dinge wie die Kantinenchefin einer Schule, die das Essensgeld der Eltern eintreibt, oder auch die Finanzverwaltungen für Kleinbetriebe, die dort ihre monatlichen Abrechnungen einreichen müssen. Wie genau das Gesetz hier funktionieren soll, ist noch völlig unklar. Und bis es umgesetzt wird, vergehen sicherlich Jahre.