Die politische Gruppierung des künftigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat ihre mit Spannung erwartete Kandidatenliste für die Parlamentswahl im Juni vorgelegt. Auf der vorläufigen Aufstellung von En Marche! finden sich 428 Kandidaten, teilte Generalsekretär Richard Ferrand mit. Die Hälfte von ihnen seien Frauen. Außerdem seien 52 Prozent aller bisher bestimmten Kandidaten vorher nicht politisch aktiv gewesen. Das Durchschnittsalter liege mit 46 Jahren deutlich unter dem des bisherigen Unterhauses, in dem der Durchschnitt der Abgeordneten bei 60 Jahren liegt, sagte Ferrand. Auch einige Arbeitslose und Studenten stehen auf der Liste.

Eigentlich wollte die Gruppierung bereits die komplette Liste für jeden einzelnen der 577 Wahlkreise Frankreichs vorstellen. Doch späte Anmeldungen wie die des früheren Premiers Manuel Valls hatten den Zeitplan durcheinander gebracht. Valls hatte sich in dieser Woche offiziell beworben: Seine Sozialistische Partei sei tot, hatte er am Dienstag gesagt. Doch En Marche! will ihn nicht aufnehmen. Der 54-Jährige erfülle nicht die Bedingungen, sagte Ferrand. Überhaupt setze die Bewegung auf ihr "Versprechen einer Erneuerung": Bei nur fünf Prozent der Kandidaten handele es sich um Abgeordnete der bisherigen Nationalversammlung.

Valls hat als Parlamentarier schon drei Amtszeiten hinter sich. Dies war eines der Ausschlusskriterien bei der Kandidatenauswahl. Ferrand sagte aber, seine Bewegung werde in Valls' Wahlkreis Évry keinen Gegenkandidaten aufstellen. "Man schlägt einem ehemaligen Premierminister nicht die Tür vor der Nase zu", sagte Ferrand.

Der Mitte-Links-Politiker Macron strebt eine Parlamentsmehrheit an, um als Präsident regieren zu können. Bisher ist seine Bewegung noch nicht in der Nationalversammlung vertreten. Macron hatte En Marche! vor etwa einem Jahr gegründet, Anfang der Woche hatte die Bewegung angekündigt, sie werde sich in La République en Marche umbenennen. Mittlerweile hat En Marche!, das sich selbst inzwischen als Partei bezeichnet, 200.000 Unterstützer. Am 15. Juli soll es einen Gründungskongress geben.

Die Gruppierung hat als Verein denselben rechtlichen Status wie andere Parteien. Mit lokalen Komitees und Referenten in den Départements verfügt sie zudem über eine ähnliche Organisationsstruktur. Ungewöhnlich für eine Partei bleibt die Mitgliederpolitik: Unterstützer müssen keine Beiträge zahlen, eine Online-Registrierung reicht aus. Kritiker bemängeln, so werde die Anhängerzahl aufgebläht.

Weder links, noch rechts

Macron will das Land mit Arbeitsmarktreformen und einem Stellenabbau im öffentlichen Dienst wettbewerbsfähiger machen. Daneben plant er auch eine Vertiefung der Eurozone. Seine Bewegung sieht sich als weder links noch rechts und will die starre Aufteilung in zwei politische Lager aufbrechen. Ideen für das Programm sammelten Freiwillige unter anderem, indem sie Tausende Franzosen interviewten.

Macron gab nach seiner Wahl zum Präsidenten den EM-Vorsitz übergangsweise an die 68-jährige Catherine Barbaroux ab, die zuvor in mehreren Ministerien gearbeitet hatte. Am Sonntag wird der 39-jährige Macron als jüngster Präsident der fünften Republik Frankreichs das Amt von seinem Vorgänger François Hollande übernehmen. Es wird erwartet, dass Macron dann sehr rasch eine neue Regierung bilden wird. Wer Premierminister wird, ist noch offen. Im Gespräch sind unter anderen der konservative Édouard Philippe (46), die liberale Europaabgeordnete Sylvie Goulard (52) oder der 54-jährige Richard Ferrand.

Die Regierung des sozialistischen Premiers Bernard Cazeneuve trat am Mittwochabend zurück und bleibt auf Wunsch Hollandes geschäftsführend im Amt.

Der Verfassungsrat hatte zuvor das offizielle Wahlergebnis mitgeteilt, wonach Macron die zweite Runde der Präsidentenwahl am vergangenen Sonntag mit zwei Dritteln (66,1 Prozent) deutlich gewann. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen erreichte 33,9 Prozent.