US-Präsident Donald Trump hat die überraschende Entlassung von FBI-Chef James Comey mit Kritik an dessen Arbeit begründet. Gefragt, warum er Comey am Vortag fristlos entlassen habe, sagte Trump: "Weil er keinen guten Job gemacht hat. Ganz einfach. Er hat keinen guten Job gemacht."

Auf die Frage, ob Comeys Entlassung sein Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow nur einen Tag danach beeinflusst habe, sagte Trump: "Überhaupt nicht." Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte später zudem, Trump habe bereits "seit dem Tag seiner Wahl" erwogen, Comey zu entlassen. Vor einer Woche hatte Trumps Sprecher Sean Spicer noch gesagt, Trump habe volles Vertrauen in Comey.

Zunächst hatte das Weiße Haus die Entlassung mit Comeys Verhalten in der E-Mail-Affäre der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Wahlkampf begründet. Kurz vor der Wahl hatte Comey mitgeteilt, es gebe in der E-Mail-Affäre möglicherweise neue Beweise. Clintons Umfragewerte sanken in der Folge rapide. Kurz vor dem Wahltag entlastete das FBI Clinton dann; Trump gewann die Wahl.

Die Regierungssprecherin sagte, Comey habe im Fall der E-Mails von Hillary Clinton die Befehlskette des Justizministeriums umgangen und eigenhändig gehandelt. Niemand dürfe das. Mit seinem Vorgehen habe sich Comey "elementare Grausamkeiten" zuschulden kommen lassen. Die Sprecherin sagte weiter, auch Leaks aus dem FBI hätten zu den vielen Gründen für Comeys Entlassung gehört.  

US-Medien und die Demokraten vermuten, dass es einen anderen Grund für Comeys Entlassung gibt: In seiner Rolle als FBI-Chef hatte er die Ermittlungen zu möglichen illegalen Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung geleitet. In wenigen Tagen sollte er vor dem Geheimdienstausschuss des Senats aussagen.

Sanders spricht von "verstörender Entscheidung"

Der frühere Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders sagte, Trump habe wiederholt versucht, die Russlandermittlungen abzuwürgen. Die Entlassung Comeys werfe die Frage auf, was die Regierung verberge. Trumps Entscheidung kurz vor der für Donnerstag geplanten Aussage Comeys vor dem Geheimdienstausschuss sei "sehr verstörend". Es sei klar, dass der von Trump ausgesuchte künftige FBI-Chef diese Ermittlung nicht objektiv führen können werde. Andere Politiker der Demokraten forderten erneut die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers. Das Weiße Haus lehnt das ab. "Wir denken nicht, dass dies notwendig ist", sagte eine Sprecherin.

Einen Tag nach der Entlassung des FBI-Chefs kam der russische Außenministers Lawrow in die USA. Er war nach vier Jahren das erste Mal wieder in Washington zu Besuch. Fotos zeigen, dass bei dem Treffen der russischen Delegation mit Trump auch der russische Botschafter Sergej Kisljak anwesend war. Trump schüttelt ihm strahlend die Hand. US-Medien werteten diese Bilder als "bemerkenswert", weil der nationale Sicherheitsberater Mike Flynn ausgerechnet wegen seiner Kontakte zu Kisljak während des Wahlkampfs zurücktreten musste.

Auch Justizminister Jeff Sessions, der Trump nach Angaben des Weißen Hauses die Entlassung Comeys empfohlen hatte, pflegte Kontakte zu Kisljak. Als Senator hatte er sich in der Vergangenheit mehrfach mit dem Botschafter getroffen, verschwieg dies aber, als er bei einer Senatsanhörung unter Eid aussagte. Als die Washington Post darüber berichtete, zog sich Sessions aus den Untersuchungen um eine mögliche Beeinflussung des US-Wahlkampfs durch Russland zurück. Seinen Posten als Minister gab er jedoch nicht auf.