Nachdem Donald Trump den FBI-Chef James Comey überraschend entlassen hat, muss der US-Präsident nun einen Nachfolger für die kommenden zehn Jahre auswählen. "Das FBI ist eine der am meisten geschätzten und respektierten Einrichtungen unserer Nation und der heutige Tag markiert einen Neubeginn für das Kronjuwel unserer Strafverfolgung", teilte Trump mit. In der Zwischenzeit wird die Behörde interimsmäßig von Comeys Vize, Andrew McCabe, geleitet. Für die langfristige Besetzung wird sich Trump vermutlich außerhalb der bisherigen Verwaltung umsehen. Hoffnungen auf den Posten des FBI-Chefs dürfen sich vor allem vier Kandidaten machen.


Die Polizeilegende

Raymond Kelly war der bisher am längsten amtierende Polizeichef von New York City. Er überwachte die Einsätze nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Sein hartes Vorgehen gegen Kriminelle, unter anderem seine Unterstützung des umstrittenen Stop-and-Frisk-Programms, könnte ihn zu einem natürlichen Verbündeten für Justizminister Jeff Sessions machen. Das Programm erlaubt es Ermittlern, Zivilisten auf der Straße willkürlich zu durchsuchen, auch vorläufige Festnahmen und Befragungen sind damit rechtmäßig. Kelly verteidigte zudem eine Polizeioperation, bei der Muslime im Geheimen überwacht wurden. Trumps Justizminister Sessions war einer der konservativsten Republikaner im US-Senat und Kritiker fürchten, dass er das Justizministerium in eine Law-and-Order-Behörde umbauen wird. Kelly würde dieser Linie folgen.

Der alte Bekannte

Chris Christies Beziehungen zu Trump sind alles andere als unproblematisch. Dennoch hat der Gouverneur von New Jersey den Vorteil, dass er den Präsidenten seit mehreren Jahren kennt und sich früh loyal an der Seite Trumps gezeigt hat. Christie war schon als Bundesstaatsanwalt tätig – was er bei seiner Kandidatur für das Präsidentschaftsamt auch immer wieder hervorgehoben hat. Sein Ansehen als Gouverneur ist seit einem Brückenskandal aber angeschlagen. Dieser zog sogar FBI-Ermittlungen nach sich und wurde vom Justizministerium verfolgt.

Der konservative Cowboy

David Clarke ist ein polarisierender Sheriff im Bezirk Milwaukee County in Wisconsin. Er war ein starker Trump-Unterstützer im Wahlkampf. Der Erzkonservative beschreibt sich selbst als "Kämpfer mit bloßen Fingerknöcheln". Er kritisierte die Black-Lives-Matter-Bewegung, bezichtigte sie einer hasserfüllten Ideologie. Allerdings empfahl jüngst ein Bezirksrichter, sieben Gefängnismitarbeiter im Milwaukee County anzuklagen. Sie sollen sich wegen Todes durch Verdursten verantworten; ein Häftling starb dort nach sieben Tagen ohne Wasser.

Der Clinton-Kritiker

Trey Gowdy, Republikaner aus South Carolina, leitete den Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses, der die Verantwortung der damaligen Außenministerin Hillary Clinton für einen Anschlag auf das US-amerikanische Konsulat in Bengasi vor fünf Jahren klären sollte, bei dem vier Amerikaner starben. Gowdy ist zudem ein früherer Bundesstaatsanwalt, der sich für seine Arbeit gegen illegalen Drogenhandel, Banküberfälle und Kinderpornografie rühmt. Er war einer der Abgeordneten, die Comeys Entscheidung kritisierten, Clinton nicht wegen ihrer E-Mail-Affäre anzuklagen. Er argumentierte, andere Regierungsvertreter wären belangt worden, wenn sie vertrauliche Informationen so wie Clinton behandelt hätten. Nach dem Bekanntwerden der Entlassung Comeys sagte er, mit dem Ex-FBI-Chef habe er zwar auf manche Themen bezogen Differenzen gehabt. Doch dieser sei jemand gewesen, "der nie die Einsicht verlor, dass er einen sehr schwierigen Job hat".