Frankreichs gewählter Präsident Emmanuel Macron wird gleich nach seinem Amtsantritt nach Deutschland reisen. Wie die Bundesregierung mitteilte, wird der 39-Jährige am Montag in Berlin erwartet. Einen Tag zuvor übernimmt der Sozialliberale die Amtsgeschäfte von seinem sozialistischen Vorgänger François Hollande – eine Woche nachdem er sich bei der Stichwahl gegen seine Konkurrentin Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Front National durchgesetzt hatte.

Merkel freue sich darauf, Macron am späten Nachmittag im Bundeskanzleramt zu empfangen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Für die Kanzlerin und den neuen französischen Präsidenten ist es nicht das erste Zusammentreffen. Bereits Mitte März wurde Macron im Kanzleramt empfangen, damals war dieser noch unabhängiger Präsidentschaftskandidat.

Gleich nach seiner Wahl hatte die Kanzlerin Macron ihre Unterstützung bei Wirtschaftsreformen versichert, was sie am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung in Düsseldorf bekräftigte. Sie habe Respekt vor den großen Aufgaben, vor denen Macron stehe, sagte Merkel dort und kündigte an, sie wolle mit einem Investitionsprogramm auf ihn zugehen und über weitere Maßnahmen zur Stärkung der Eurozone reden. "Ich denke schon seit 2013 über ein Budget in der Eurozone nach, mit dem wir reformfreudigen Ländern helfen können. Hier könnten wir zusätzlich zu den Fonds, die wir schon haben, weitere Mittel einsetzen, um den Ländern temporär in diesem Bereich zu helfen."

Einige Politiker von Union und FDP sehen solche europapolitischen Vorhaben wie einen gemeinsamen Haushalt der Eurostaaten allerdings kritisch. Jean Pisani-Ferry, ein enger Berater des Präsidenten, räumte ein, dass Deutschland und Frankreich unterschiedliche Herangehensweisen hätten. Erst nach der Bundestagswahl dürfte sich die Zusammenarbeit zwischen Paris und Berlin konkretisieren, meinte der führende Wahlkampfmanager Macrons und forderte eine intensivere Debatte über die Ziele der Eurozone. "Jeder muss besser verstehen, was die Bedürfnisse der anderen Seite sind und wo die roten Linien verlaufen."

Paris - Protest gegen Macron Nach der Wahl Emmanuel Macrons zum neuen Präsidenten Frankreichs haben in Paris mehr als tausend Menschen gegen ihn protestiert. Was wollen sie anders haben? © Foto: Ana-Marija Bilandzija