Die fünf deutschen Institute für Friedensforschung haben ihr Friedensgutachten 2017 vorgestellt: Darin bezeichnen sie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten als "Zäsur mit vielen Ungewissheiten", die die Partnerschaft mit den USA unberechenbar gemacht hätte. Außerdem warnen die Forscher die Bundesregierung, sich von US-Präsident Donald Trump zu einer Aufrüstung treiben zu lassen.

Trumps Aussage, Deutschland schulde der Nato "riesige Summen" und müsse den USA mehr für die Verteidigung bezahlen, wurde von den Instituten kritisiert. Aus Sicht der Forscher gebe es für diese Forderung keine inhaltliche Begründung. "Mehr Militärausgaben bedeuten nicht mehr Sicherheit", heißt es in dem Gutachten. Die Wissenschaftler raten Deutschland davon ab, den Verteidigungshaushalt auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern.

Bereits im März erteilte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der Forderung Trumps eine Absage. "Es gibt kein Schuldenkonto in der Nato", sagte von der Leyen. Die zwei Prozent Verteidigungsausgaben, die die Bundesregierung bis Mitte der nächsten Dekade erreichen wolle, allein auf die Nato zu beziehen, sei falsch.

Schutzzonen in Syrien, keine Rüstungsexporte in den Nahen Osten

Als Reaktion auf die ungelösten gewaltsamen Konflikte in Syrien und im Jemen hält das Friedensgutachten humanitäre Hilfsmaßnahmen für zentral. Die Verhinderung von Massakern, Massenmord und Massensterben durch die Kriegsfolgen müsse Vorrang haben. Konkret fordern die Friedensforscher eine internationale Debatte über Schutzzonen in diesen Ländern.

Außerdem fordern die Friedensforscher die Bundesregierung auf, alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zu verweigern. Das Königreich spiele im Konflikt im Jemen eine verschärfende Rolle. Auch in die Türkei dürfe es keine Rüstungsexporte mehr geben. 

Der Europäischen Union wirft das Friedensgutachten vor, die Militärausgaben falsch einzusetzen. Die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik müsse zu einer Krisenpräventionsagenda ausgebaut werden. Solche Präventionsmaßnahmen sollen künftig unter anderem die UN-Friedensmissionen engagierter unterstützen, so der Bericht.

Das Friedensgutachten erscheint jährlich seit 1987, in diesem Jahr mit der Leitfrage "Wie lässt sich Gewalt bändigen, wenn die kooperative Weltordnung zerfällt?". Beteiligt sind das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), das Bonner International Center for Conversion (BICC), die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), sowie das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH).