Britischen Unternehmen stehen wegen der bevorstehenden Brexit-Verhandlungen immer weniger Arbeitskräfte aus der Europäischen Union zur Verfügung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des britischen Branchenverbands Recruitment & Employment Confederation (REC). "Die Pfund-Schwäche und die Unsicherheit über zukünftige Einwanderungsgesetze schreckt einige EU-Bürger davon ab, in Großbritannien Stellen anzunehmen", sagte REC-Chef Kevin Green.

Der Studie zufolge ist die Zahl der freien Arbeitskräfte so niedrig wie seit 16 Monaten nicht mehr. Sowohl dauerhafte als auch temporäre Stellen blieben daher unbesetzt. Gleichzeitig steige der Personalbedarf in allen Branchen und Regionen, vor allem in Mittelengland und in Schottland. Das betreffe besonders die Lebensmittelbranche und das Gesundheitswesen.

Mit Blick auf die britischen Parlamentswahlen am 8. Juni forderte Green mehr Bemühungen um Arbeitskräfte durch die Politik. Jeder Mangel habe weitreichende Konsequenzen für die Industrie. Für eine starke britische Wirtschaft müsse die neue Regierung den Zugang von ausländischen Arbeitskräften sichern.

Auch Kaufkraft sinkt

Auch der Konsum ist in Großbritannien rückläufig. Die Verbraucher seien beim Einkaufen sparsamer und kauften mehr Eigenmarken-Produkte aus Supermärkten, teilte der Einzelhandelsbranchenverband BRC mit. "Da sich Zeichen für eine langfristige Abkühlung zeigen, ist der Ausblick nicht rosig", sagte BRC-Chefin Helen Dickinson. Im April sei der Einzelhandelsumsatz im Vergleich zum Vorjahr zwar um 6,3 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das Plus dürfe aber nicht überbewertet werden, da die unterschiedliche Lage der Osterferien für eine statistische Verzerrung sorge.

Die EU-Kommission will in den Brexit-Verhandlungen neben den finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens vor allem den Status von EU-Bürgern im Königreich klären. Erst wenn diese wichtigen Fragen weitgehend geklärt seien, werde die EU mit der britischen Regierung über die künftigen Beziehungen und insbesondere über ein Handelsabkommen sprechen, hatte EU-Chefunterhändler Michel Barnier zuletzt angekündigt.