Der Iran hat einen neuen Präsidenten gewählt – und der wird der alte bleiben. Dem amtlichen Endergebnis zufolge gewann Amtsinhaber Hassan Ruhani mit 57 Prozent der Stimmen. Das teilte Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli mit. Damit schlug der moderate Reformer seinen erzkonservativen Gegenkandidaten Ebrahim Raisi. 40 Millionen Iraner haben ihre Stimme abgegeben, das entspricht einer Wahlbeteiligung von 73 Prozent, wie Fasli mitteilte. 

Die besonders hohe Wahlbeteiligung hatte sich schon am Freitag abgezeichnet. Wegen des großen Andrangs hatten die mehr als 63.000 Wahllokale länger geöffnet. Ähnlich hoch war die Wahlbeteiligung im Jahr 2013, als Ruhani an die Macht gekommen war.

Mehr Öffnung statt Abschottung

Viele Wähler sehen in dieser Präsidentenwahl eine Richtungsentscheidung. Es geht um die Fortsetzung der von Ruhani verfolgten Reformpolitik, die den Iranern mehr Freiheit und eine Erholung der Wirtschaft bringen soll. Raisi ist dagegen ein enger Vertrauter des geistlichen und politischen Führers, Ajatollah Ali Chamenei. Raisi hatte im Wahlkampf argumentiert, dass sich die Wirtschaft nicht wie erhofft deutlich verbessert habe und die kleinen Erfolge bei den armen Schichten nicht angekommen seien. Er warf Ruhani Missmanagement vor und versprach in den Armenvierteln Jobs und Sozialhilfe. Das Atomabkommen habe nach seiner Darstellung nur den Gegnern des Irans genutzt.

In der Islamischen Republik wurde zum ersten Mal seit dem internationalen Atomabkommen 2015 gewählt. Daher galt die Abstimmung auch als eine Art Referendum über Ruhanis moderate Politik. Im Zuge des Abkommens hatte sich der Iran bereiterklärt, sein Atomprogramm zu beschränken – im Gegenzug wurden Sanktionen abgebaut.

Bleibt es auch nach Auszählung aller Stimmen bei knapp 60 Prozent für den 68-jährigen amtierenden Präsidenten, findet keine Stichwahl mehr statt. Nach iranischem Wahlrecht wird eine solche durchgeführt, sofern keiner der Kandidaten auf mehr als 50 Prozent der Stimmen kommt. Terminiert wäre diese auf den 26. Mai.

Der 56-jährige Herausforderer Raisi hatte der Regierung während der Abstimmung Unregelmäßigkeiten bei der Organisation der Wahl vorgeworfen, die Bevölkerung zugleich aber dazu aufgerufen, das Ergebnis – egal wie es ausfalle – zu akzeptieren. Auch Ruhani forderte, der Wahlsieger müsse die Unterstützung des gesamten Landes bekommen und hatte gefordert, dass die Zeit nach der Wahl gerecht ablaufen solle.