Nach dem Sieg der iranischen Reformkräfte bei der Präsidentschaftswahl haben die Vertreter einer gemäßigten Politik auch den Stadtrat von Teheran erobert. Alle 21 Sitze gingen an Kandidaten des moderaten Lagers, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Isna.

Damit verloren die Konservativen zum ersten Mal seit 14 Jahren die Macht im Stadtrat der iranischen Hauptstadt. Das Büro des Gouverneurs verkündete die Ergebnisse der Wahl in der Neun-Millionen-Metropole Teheran.   

Die Kommunalwahlen fanden zeitgleich mit der Präsidentschaftswahl am Freitag statt. Dabei wurde der als moderat geltende Präsident Hassan Ruhani im Amt bestätigt. Er setzte sich gegen den Konservativen Ebrahim Raisi durch. Seine Wahl gilt als Signal, dass die iranische Bevölkerung seinen Kurs der internationalen Öffnung des Landes unterstützt.

Bei den Kommunalwahlen stand auf Platz eins der Liste der Reformer der Politiker Mohsen Haschemi Rafsandschani. Er ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten und Mitbegründers der Islamischen Republik Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, der im Januar gestorben ist. Der ehemalige Staatschef hatte 2013 maßgeblich zur Wahl von Ruhani beigetragen.

Das Ergebnis der Kommunalwahl in Teheran ist eine schwere Niederlage für den amtierenden konservativen Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf. Er hatte seine Kandidatur für das Präsidentenamt kurz vor der Wahl zurückgezogen, um Raisi zu unterstützen. 

Ghalibaf war zwölf Jahre lang Bürgermeister von Teheran, er folgte 2005 dem ultrakonservativen Hardliner Mahmud Ahmadinedschad. Der neugewählte Stadtrat muss nun einen neuen Bürgermeister wählen.

Die Reformer hatten bereits von 1999 bis 2003 die Mehrheit im Stadtrat von Teheran. Vorher waren die Bürgermeister vom Innenministerium ernannt worden.