Der irische Regierungschef Enda Kenny hat seinen Rückzug als Premierminister und Vorsitzender der Fine-Gael-Partei angekündigt.

Der Rücktritt als Parteichef trete um Mitternacht in Kraft, sagte Kenny in Dublin. Als Premierminister werde er bis spätestens zum 2. Juni im Amt bleiben, bis sein Nachfolger feststehe. Auch als Parteichef werde er noch geschäftsführend bis zur Nachfolgeregelung tätig bleiben. Als Nachfolger werden der aktuelle Wohnungsbauminister Simon Coveney und der Sozialminister Leo Varadkar gehandelt.

Erstmals wurde Kenny 2011 zum Regierungschef gewählt, eine dritte Amtszeit hatte er ausgeschlossen. Bei der Parlamentswahl vom 26. Februar 2016 hatte Fine Gael, die seit 15 Jahren von Kenny angeführt wurde, massiv an Stimmen verloren. Weil Fine Gael keine Mehrheit zustande brachte, gab Kenny seinen Rücktritt bekannt. Seither war der 66-Jährige Premierminister auf Abruf.

In den vergangenen zwei Monaten tolerierte die oppositionelle Fianna Fáil die Minderheitsregierung und ließ sich das mit der Zusage zusätzlicher Milliardenausgaben und der Abschaffung von Wassergebühren bezahlen.

Fine Gael und Fianna Fáil haben sehr ähnliche Programme. Historisch befinden sie sich jedoch in einer Dauer-Rivalität, da sie aus verschiedenen Lagern des Unabhängigkeitskrieges 1922/23 hervorgingen. Beide Parteien hatten eine große Koalition vor der Wahl ausgeschlossen. Drittstärkste Kraft im Parlament ist die linksgerichtete Partei Sinn Féin mit 23 Sitzen.