Es gibt eine ganze Reihe von Widersprüchen in der Geschichte des gerade geschassten FBI-Chefs James Comey – genug, um mehrere Biografien zu füllen. Lange Zeit genoss er den Ruf, ein hervorragender Sicherheitsexperte zu sein, und doch hat er sich in einem entscheidenden Moment äußerst unprofessionell verhalten. Dieser Moment wird seine Karriere für immer überschatten.

Denn James Comey trägt ein gehöriges Maß Verantwortung dafür, dass Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, indem er kurz vor der Präsidentenwahl Ermittlungen gegen seine Gegenkandidatin Hillary Clinton wegen deren E-Mail-Affäre öffentlich machte.

Die entscheidende Ironie dabei: Donald Trump hat Comey genau in dem Moment entlassen, als der sich daran machte, nun auch eine mögliche geheime Verabredung von Trumps Wahlkampfteam mit der russischen Regierung zu untersuchen. Und das wirft ein sehr beunruhigendes Licht darauf, was Trump in den kommenden vier Jahren vorhat.

Trump hat bereits beträchtlichen politischen Schaden angerichtet. In den ersten drei Monaten seiner Amtszeit hat er Obamacare weitgehend zurückgenommen. Die Folge: Millionen von Amerikaner werden künftig weniger oder sogar gar keinen medizinischen Schutz mehr genießen. Er hat zentrale demokratische Prinzipien untergraben, indem er die freie Presse angriff, die Justiz verunglimpfte, und indem er seinem privaten Umfeld erlaubte, sein Amt für Privatgeschäfte zu nutzen.

Trotz all dieser schlechten Nachrichten gab es dennoch einen Grund, vorsichtig optimistisch zu sein. Die Befürchtung vieler politischer Experten vor seiner Wahl schien nicht einzutreten: Ungeachtet all seiner verbalen Attacken machte Trump nicht den Eindruck, dass er konkrete Schritte unternimmt, um die Unabhängigkeit zentraler staatlicher Stellen infrage zu stellen.

Das galt bis heute.

Ein FBI-Direktor muss sicherstellen, dass seine Behörde immer neutral bleibt, sowohl in der Wahrnehmung von außen als auch in der praktischen Arbeit. Comey ist dieser Verantwortung nach übereinstimmender Einschätzung in allen politischen Lagern nicht gerecht geworden. Das machte ihn äußerst unbeliebt sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten. Und das gab Trump nun einige Rückendeckung dafür, ihn zu feuern.

Aber wenn der FBI-Direktor dafür zu sorgen hat, dass seine Ermittlungen Wahlen nicht unnötig beeinflussen, so muss ein Präsident jeden Eindruck vermeiden, dass er die Arbeit des FBI behindert. Er kann einen FBI-Chef nicht allein deshalb entlassen, weil dieser mögliches gesetzwidriges Verhalten des Präsidenten oder seines Teams untersucht. Trump hat diese Pflicht rücksichtslos und absichtlich verletzt.

Selbst wenn man der Überzeugung ist, dass Comey seine Arbeit sehr schlecht gemacht hat und seine Entlassung deshalb berechtigt war; und selbst wenn man Trump glaubt, dass sie nichts mit den laufenden Ermittlungen zu seinen eigenen Verbindungen zum Kreml zu tun hat, bleibt immer noch eine schreckliche Botschaft an alle Beamte und Mitarbeiter der US-Behörden: Wenn du Trumps Interessen berührst, indem du deine Arbeit machst, kannst du jederzeit entlassen werden.