Sollte die Türkei die Todesstrafe wiedereinführen, dann sieht EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker keine Zukunft für das Land in der Europäischen Union. In einem Interview mit der Rheinischen Post sagte Juncker, eine Einführung der Todesstrafe käme "einem Abbruch der Verhandlungen gleich". Juncker nannte die Todesstrafe "die roteste aller roten Linien" und erklärte: "Wenn aus der Einführung der Todesstrafe mehr als Rhetorik würde, wäre das ganz klar eine Absage der Türkei an die europäische Familie."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die Todesstrafe während seiner Zeit als Regierungschef 2004 abschaffen lassen. Die letzte Hinrichtung hatte 1984 stattgefunden. Nach dem Putschversuch vom vergangenen Jahr brachte er mehrfach ihre Wiedereinführung ins Spiel und hat ein Referendum dazu angekündigt. Die Bundesregierung hat erklärt, sie würde ein Referendum in Deutschland über die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei untersagen.

Juncker schlug in dem Interview auch ein Moratorium bei den finanziellen Zuwendungen für die Türkei vor. "Es ist absurd, Gelder in die Richterausbildung zu stecken, wenn eben diese Richter im Gefängnis sitzen", sagte er. Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurden seit dem Putschversuch mehr als 4.200 Richter und Staatsanwälte entlassen. Das ist fast ein Drittel der ursprünglich 14.000 Richter und Staatsanwälte im Land. 

Türkei - Die Türkei seit dem Putschversuch Wie hat sich die Türkei seit dem Putschversuch im letzten Jahr verändert? Ein Videoüberblick zu den Themen Menschenrechte, Wirtschaft und Europa © Foto: Ozan Kose, AFP/Getty Images