Eine junge Elite will Frankreich eine neue Richtung geben. Doch sie braucht die Unterstützung von erfahrenen Politikern, will sie im politischen Regierungsalltag bestehen. So lässt sich die neue französische Regierung unter Präsident Emmanuel Macron knapp zusammenfassen. Mit ihr will der 39-Jährige nichts weniger als den politischen Kulturbruch wagen, indem er traditionell linke wie rechte Politiker zu einer neuen Mannschaft formt.

Selten wurde in Frankreich die Verkündung einer neuen Regierung mit so viel Spannung verfolgt wie an diesem Mittwoch in Paris. Das Ergebnis ist zumindest für den französischen Beobachter atemberaubend: Plötzlich tun sich die Menschen aus dem linken und rechten Lager zusammen. Mit an Bord nehmen sie den bekanntesten Umweltschützer des Landes, um den alten Staat auf neuen Kurs zu bringen.

Neben dem 39-jährigen, kulturell links geprägten Macron steht nun als Premierminister und zweiter Mann im Staat der 46-jährige, kulturell konservativ geprägte Édouard Philippe. Beide Männer sind sich auf fast unheimliche Art ähnlich: Sie haben das gleiche Politikstudium und die gleiche Verwaltungshochschule in Paris absolviert. So eng wie Macron über Jahre seinem Vorgänger François Hollande zur Seite stand, so eng verfolgte Philippe seinen Alain Juppé, seinen Patron, wie er ihn auch heute noch nennt.

Frankreich - Macron holt Vertreter von Links und Rechts ins Kabinett Die Ernennung von Ministern aus verschiedenen Lagern gilt als kluger Schachzug Macrons. © Foto: Reuters TV

Die beiden engsten Führungsberater der zwei alten Politiklager wollen Frankreichs Politik fortan gemeinsam gestalten. Sie sind jung, polyglott und unerfahren. Sie wollen die ökonomischen Blockaden des linken, gewerkschaftsnahen Lagers ebenso abschütteln, wie den trägen Kulturnationalismus des konservativen Lagers mit seinen ausländerfeindlichen Attitüden.

Um den Wandel zu schaffen, brauchen sie die Alten: Deshalb wird ein stoischer Antischarfmacher und unerschütterlich unaufgeregter Sozialdemokrat wie der bisherige Bürgermeister von Lyon, Gérard Collomb, die Rolle des Innenministers annehmen. Collomb ist schon 69 Jahre alt und wurde dadurch bekannt, dass er sich nach den ersten Terrorattentaten in Paris und der Ausrufung des Ausnahmezustands im ganzen Land noch hartnäckig weigerte, seiner Stadtpolizei in Lyon Waffen auszuhändigen. Ausgerechnet dieser Collomb ist fortan der Pariser Frontmann im Kampf gegen den Terrorismus. Er verspricht vor allem: Erfahrung, Sicherheit im Urteil, Ruhe.

Genau das bringt auch der neue französische Außen- und Europaminister Jean-Yves Le Drian mit. Der Sozialist ist ebenfalls 69 Jahre alt und neben der neuen Ministerin für die Übersee-Departments, Annick Girardin, der einzig Überlebende der alten Regierung François Hollandes. Das macht ihn jedoch nicht weniger wichtig. Le Drian ist ein harter Bretone, der als Verteidigungsminister in den letzten Jahren mehr französische Waffen – allen voran das Flugzeug Rafale – in der Welt verkaufte als sämtliche seiner Vorgänger. Das kann ihm kein junger Minister der Macron-Generation so schnell nachmachen, deshalb soll Le Drian seine Kontakte nun als Außenminister weiter pflegen. Le Drian war außerdem schon unter Präsident François Mitterrand Staatssekretär. Auf europäischer Ebene soll er deshalb auch für die Kontinuität der französischen Politik stehen, gerade dann, wenn ihr Macron eine neue Richtung geben will.