Die Regierung des Kosovo ist durch ein Misstrauensvotum im Parlament gestürzt worden. In Prishtinë stimmten 78 der 120 Abgeordneten gegen die Koalitionsregierung von Ministerpräsident Isa Mustafa. Damit wird es in dem Balkanstaat voraussichtlich im Juni, mehr als ein Jahr vor dem regulären Ende der Legislaturperiode, Neuwahlen geben. Am Donnerstag soll der genaue Termin feststehen.

Das Ende der Regierung von Mustafas LDK-Partei mit der PDK von Parlamentspräsident Kadri Veseli folgt auf einen monatelangen politischen Stillstand. Die Regierung konnte im Parlament zentrale Vorhaben nicht durchzusetzen.

Dazu gehört beispielsweise die Klärung der Grenzen zum Nachbarn Montenegro. Ihm war es nicht gelungen, eine Mehrheit im Parlament für ein bereits 2015 unterzeichnetes Abkommen über den Grenzverlauf zum Nachbarstaat Montenegro zu erreichen. Nach Ansicht der Opposition würde das Kosovo durch die Vereinbarung Territorium verlieren. Die Regierung weist das zurück.

Die USA und die EU hatten die politischen Parteien des Kosovos bisher vergeblich dazu gedrängt, das Abkommen zu ratifizieren. Es gilt auch als Voraussetzung dafür, dass die Bürger des Landes in Zukunft ohne Visa in die EU reisen dürfen.

Das kleine Land mit zwei Millionen Einwohnern gilt trotz Finanzhilfen der USA und EU in Milliardenhöhe, einer Nato-geführten internationalen Schutztruppe und der größten EU-Auslandsmission (Eulex) als eines der korruptesten und rückständigsten Länder Europas.

Seit vielen Jahren bemüht sich die EU vergeblich um die Aussöhnung des Kosovos mit Serbien. Die serbische Regierung beansprucht das Nachbarland als ehemaligen Landesteil für sich. Die fast nur noch von Albanern bewohnte frühere serbische Provinz ist seit 2008 unabhängig und inzwischen von über 110 Staaten völkerrechtlich anerkannt.