In Libyen sind bei einem Angriff regierungstreuer Kämpfer auf eine Luftwaffenbasis mindestens 141 Menschen getötet worden. Bei den meisten Opfern handele es sich um Soldaten, die dem abtrünnigen General Chalifa Haftar angehörten, teilte ein Sprecher der Haftar-treuen Truppen mit. Weitere Opfer seien Zivilisten, die auf dem Stützpunkt gearbeitet oder sich in der Nähe aufgehalten hatten. Außerdem habe es standrechtliche Hinrichtungen gegeben. "Die Soldaten kamen von einer Militärparade zurück, sie waren unbewaffnet", sagte der Sprecher. Die meisten von ihnen seien hingerichtet worden. Die Zahl der Toten kann nicht unabhängig überprüft werden.

Ministerpräsident Al-Sarradsch verurteilte die Attacke. Er habe keine entsprechenden Anweisungen an das Verteidigungsministerium gegeben, teilte er mit. Die libysche Einheitsregierung hat laut eigenen Angaben eine Untersuchungskommission zu dem Angriff eingerichtet. Verteidigungsminister Al-Mahdi al-Barghathi sei von seinen Aufgaben entbunden worden, bis die Verantwortlichen identifiziert seien. Auch ein Militärkommandeur wurde demnach vorläufig von seinem Posten entfernt.

Die Miliz der von der UN unterstützten libyschen Einheitsregierung hatte die Luftwaffenbasis bereits am Donnerstag angegriffen. Haftar unterstützt mit seinen Kämpfern die Gegenregierung in Bengasi. Zuletzt aber hatte es eine vorsichtige Annäherung des Generals mit dem Chef der Einheitsregierung, Fajes al-Sarradsch, gegeben. Der UN-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, verurteilte den Angriff. Auch er hatte Berichte über mögliche Massenhinrichtungen erwähnt.

Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Trotz der Bildung der Einheitsregierung werden weite Teile des Landes weiter von bewaffneten Milizen kontrolliert.