Das Brexit-Votum hat alles verändert. Jahrzehntelang haben ehrgeizige Jungunternehmer die Londoner City geprägt. Sie kamen aus der ganzen Welt und brachten ihr Talent, ihren Erfolgshunger, ihre Ideen in die Stadt, deren Banken Margaret Thatcher dem globalen Wettbewerb geöffnet hatte. Der 33-jährige Pole Marcin Czyza ist so ein Jungunternehmer.

Aber er kommt nicht nach London, um am stetig wachsenden Reichtum mitzuwirken. Seine Geschäftsidee ist es, den Überfliegern aus aller Welt dabei zu helfen, Großbritannien zu verlassen.

Czyza hat eine europäische Karriere gemacht. Geboren und aufgewachsen ist er in Olsztyn im Norden Polens. "Allenstein", übersetzt er in akzentfreies Deutsch. Studiert hat er in Wien an der Wirtschaftsuniversität. Als er nach dem Studium in der österreichischen Hauptstadt seinen ersten Job bekam, trat gerade Polen der Europäischen Union bei. "Auf einmal musste ich nicht mehr zur Fremdenpolizei. Das war eine gewaltige Veränderung." Vorher hatte er sich regelmäßig melden müssen. "Man wurde da behandelt, als sei man kriminell." Aus Wien zog er nach Bratislava in der Slowakei, wo seine Freundin lebte, eine slowakische Ungarin, dann nach Warschau und schließlich nach Amsterdam.

Jetzt also auch London. Die Stadt kennt Czyza noch nicht gut, wenn er anreist, ist er mit seinem Start-up beschäftigt: Gespräche mit Investoren, Kandidaten, Personalberatern. Canary Wharf schlägt er als Treffpunkt vor, das Viertel aus Bankenglastürmen im Osten Londons, das in den Thatcher-Jahren auf dem verarmten und verlassenen Hafengelände emporwuchs. Damals war die alte City zu klein geworden für die sich neu ansiedelnden internationalen Finanzkonzerne. Sagen Sie mir wo in Canary Wharf, hatte er per Mail gebeten, ich nannte ein Restaurant gleich neben dem U-Bahn-Ausgang, leicht zu finden.

Czyza wartet in dezent braunem Trench, Baumwollhosen und offenem Hemd, der verhaltene Chic eines Jungunternehmers mit Managementstudium und Finanzkarriere. Wir setzen uns vor das Restaurant, leicht frierend, drinnen ist es zu laut für ein Gespräch. Czyza ist zu Marktforschungszwecken in London, er will ein Gefühl dafür bekommen, wie die Finanzelite, die seine Hauptzielgruppe sind, so lebt. Er lächelt gewinnend, ein wenig unsicher, noch fehlt die Routine.

Eine Blitzidee

Bis Ende des Monats ist Czyza noch als Rohstoffhändler in Amsterdam bei einem holländischen Handelshaus angestellt. Dort erlebte er auch den Morgen des 24. Juni 2016, den Brexit Day. "Alle waren entsetzt", erzählt Czyza. "Wir verstanden nicht, was da passierte. Die Märkte spielten verrückt." Und er wiederholt: "Alle waren entsetzt. Glauben Sie mir." Vor allem seine britischen Kollegen seien aufgewühlt gewesen. "Sie sagten: Was wird jetzt aus uns?"

Czyza schaltete sofort: Genau diese Frage war seine Chance. Nur einen Tag, nachdem die Briten sich gegen die EU entschieden hatten, begann Czyza mit der Arbeit an seinem Start-up: eine Jobagentur für alle, die Brexit-Britannien verlassen wollen. "Ich war mir sicher, dass das laufen würde. Ich brauchte keine zweite Meinung. Ich habe mit niemandem darüber gesprochen. Ich habe mich sofort daran gemacht, eine Website zu bauen."